Wirtschaft : WM bringt die Wirtschaft in Schwung

Der Fußball steigert den Umsatz von Handel, Hotels, Brauern, Bahn und Sponsoren

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Berlin - Die Fußball-Weltmeisterschaft sorgt auch in der deutschen Wirtschaft für gute Stimmung. Einzelhandel und Gastronomie meldeten in einer Umfrage des Tagesspiegels am Montag steigende Umsätze, ebenso die Bierbrauer. Die Deutsche Bahn verzeichnete bislang ein Plus von 600 000 Fahrgästen pro Tag. Zufrieden mit dem Turnier waren auch die WM-Sponsoren, die im Umfeld der Spiele werben dürfen und dafür jeweils zwischen 25 und 40 Millionen Euro zahlen.

Ökonomen wie Axel Nitschke vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag erwarten durch die WM ein um 0,3 Prozentpunkte stärkeres Wachstum. Das bedeute knapp 60 000 zusätzliche Arbeitsplätze, allerdings nicht auf Dauer.

Der Einzelhandel hält bis zum 9. Juli Mehreinnahmen von zwei Milliarden Euro für möglich. Fan- und Sportartikel seien sehr gefragt, sagte ein Sprecher des Branchenverbandes HDE. Schon seit dem Frühjahr verkauften sich Fernseher gut. Die beste Zeit des Turniers komme erst noch – einige spielfreie Tage, in denen Bürger und Gäste Zeit zum Einkaufen hätten. Die Hotels sind weitgehend zufrieden – wenngleich der große Ansturm in Berlin ausgeblieben ist. „In Frankfurt am Main, Köln und Düsseldorf ist die Lage aber viel besser“, sagte eine Sprecherin des Branchenverbandes Dehoga.

Die Bierbrauer melden Rekorde. Der Fußball bringe eine „Sonderkonjunktur“, erklärte der Marktführer Krombacher. Der Mai sei der beste Monat der Firmengeschichte gewesen, auch der Juni verspreche einen Absatzrekord. Von „deutlich wachsendem Absatz“ sprach auch die Berliner Schultheiss- Brauerei. Beim Mutterkonzern Radeberger läuft die Produktion im Juni „auf Hochtouren“, alle Anlagen seien voll ausgelastet.

Die Deutsche Bahn, einer der WM-Sponsoren, zählte zwölf Prozent mehr Fahrgäste als sonst üblich, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn. Bislang habe der Konzern rund zehn Millionen Menschen zu Spielorten, Stadien und öffentlichen Leinwänden gebracht. „Alles, was Räder hat, ist aus der Garage geholt worden“, sagte er. Der finanzielle Effekt halte sich aber in Grenzen. „Wir bekommen unser Geld wieder und vielleicht noch einen Schnaps mehr“, sagte Mehdorn. Wichtiger sei für die Bahn der Imagegewinn.

Auch die übrigen Sponsoren sind zufrieden. Adidas wird an diesem Mittwoch eine WM-Zwischenbilanz ziehen. „Sie wird sehr positiv ausfallen“, sagte eine Sprecherin nur. Klar ist inzwischen, dass Adidas-Chef Herbert Hainer das selbst gesteckte Ziel, 2006 mehr als eine Milliarde Euro mit Fußballprodukten zu erlösen, übertreffen wird. Der Manager hatte Anfang April im Tagespiegel-Interview erklärt, Adidas wolle mehr als zehn Millionen Bälle und mehr als 1,5 Millionen Trikots aller Adidas-Teams verkaufen.

„Durch die WM sind unsere Verkäufe im Vorfeld zweistellig und doppelt so stark wie der Markt gewachsen“, meldete ein Sprecher des Elektrokonzerns Philips. Der WM-Sponsor Postbank hat bereits ein halbes Jahr vor dem Turnier vom Fußball profitiert, etwa beim Verkauf von Fondsanteilen, berichtete ein Sprecher. Der Internet-Dienst Yahoo, der die offizielle Fifa-Seite betreibt, verwies darauf, dass seit dem 9. Juni weltweit 2,5 Milliarden Seiten abgerufen worden seien. Bei der WM 2002 waren es insgesamt nur zwei Milliarden.

Der Reifenhersteller Continental hofft, bekannter zu werden. „In einigen Ländern Südeuropas ist unser Bekanntheitsgrad bereits stark gestiegen – das war das Ziel“, hieß es bei dem Konzern. Der Autobauer Hyundai erhofft sich durch die Präsenz seiner Autos vor Stadien und in Fan-Bereichen eine höhere Bekanntheit. Der Imbisskonzern McDonald’s hat die Kundenbindung im Blick. Für die Begleitung der Spieler vor dem Anpfiff durch Kinder habe es mehr als eine Millionen Bewerbungen gegeben.

„Das nützt uns sehr. Wir spüren großes Interesse auf all unseren Märkten weltweit“, sagte Bruce Hudson, Sport-Marketingchef der US-Brauerei Anheuser-Busch. Ein Beispiel sei der „signifikante Umsatzsprung“ in Großbritannien. „Wenn England gewinnt, wird das Interesse für uns dort auf ein neues Level getrieben.“ Für Deutschland sei aber eine solche Entwicklung nicht zu erwarten. „In Deutschland ist es hart für jedes ausländische Bier.“ alf/brö/dr/mod/mot/mirs

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