Wirtschaft : WM-Übertragung: Größenwahn im Sport-Poker

Henrik Mortsiefer

Fußball wird auf goldenem Boden gespielt. Das hat gerade eben der millionenschwere Deal zwischen Kirch und den Öffentlich-rechtlichen um die Übertragungsrechte der Fußball-WM gezeigt. Doch das Geschäft mit dem Sport kann mitunter für die Beteiligten auch zu heiß werden. Dann nämlich, wenn wie jetzt im Fall der Schweizer ISMM Größenwahn an die Stelle unternehmerischer Vernunft tritt. ISMM wollte überall mitverdienen - am Fußball, im Rennsport, an Tennis-Turnieren und am Basketball. Dabei wurden Verträge mit abenteuerlichen Zusagen in Milliarden-Höhe geschlossen. Blind für die Risiken und Moden des Sports setzten die Vermarkter so zum Beispiel auf Tennis und übersahen das nachlassende Zuschauer- und Sponsoreninteresse. Bemerkenswert an der Pleite ist, dass es den Schweizern nicht gelang, aus ihren guten Kontakten in die internationalen Sportverbände Profit zu schlagen. So beriet die ISMM-Tochter ISL den Fußball-Weltverband Fifa, der zugleich die Preise diktiert; aus diesem Filz hätte sich mehr machen lassen. Stattdessen trieb ISMM die Preisspirale in der Hoffnung an, die Gunst der Verbandschefs nicht zu verlieren. Die haben sich unterdessen auf sicheres Terrain begeben und eine eigene Marketingagentur gegründet. Lachender Dritter im Sport-Poker ist - wieder einmal - Leo Kirch. Er wird seine in der Vergangenheit klug ausgehandelten Optionen auf zusätzliche Weltrechte ausüben und einer Geldquelle zuführen: dem Pay-TV. Da kann er selbst bestimmen, was der Zuschauer wann, wo und zu welchen Konditionen zu sehen bekommt.

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