Wirtschaft : Wo die neuen Jobs entstehen

Auch in Zeiten von Opel und Karstadt gibt es sie noch: Arbeitsplätze, die Krisen überstehen. In vielen Branchen werden sogar Stellen geschaffen

Anselm Waldermann

Selten galten Arbeitsplätze in Deutschland als so unsicher wie heute: Karstadt, Opel, Schlecker – scheinbar im ganzen Land werden Stellen abgebaut oder ins Ausland verlagert. Doch nicht überall sieht es so düster aus. Denn es gibt noch Branchen mit sicheren Jobs. Und andere, in denen sogar neue entstehen. So soll die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 600000 auf 39 Millionen zulegen, wie es in einer im Auftrag des Magazins „Focus“ erstellten Analyse der Schweizer Prognos AG heißt.

Beispiel Gesundheit: Eine Gesellschaft, die immer älter wird, hat wachsenden Bedarf an Altenpflegern, Krankenschwestern und Ärzten. „Diese Jobs sind auch in Zukunft sicher“, sagt Herbert Buscher, Arbeitsmarktexperte des Instituts für Wirtschatsforschung Halle (IWH). Dasselbe gelte für Arbeitsplätze in der Medizintechnik und der Biotechnologie.

Doch alte Menschen sind nicht nur hinfällig: „Viele Rentner sind wohlhabend und durchaus unternehmungslustig“, sagt Buscher. Daher werde auch die Freizeitindustrie vom demographischen Wandel profitieren: Wellness, Kreuzfahrten, Aktivurlaub – alles Bereiche, in denen die Zahl der Jobs in Zukunft steigen dürfte.

Auch sonst können sich die Trends der Zukunft für Arbeitnehmer lohnen. „Es kommt eben darauf an, die richtige Nische zu besetzen“, sagt Eric Thode, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann-Stiftung. So befinde sich die Werftenbranche in Deutschland zwar generell im Niedergang – beim Bau von Yachten und U-Booten sei Deutschland aber immer noch führend. Das Gleiche gelte für die Automobilindustrie: Während es bei Volumenproduzenten wie VW und Opel kriselt, stehen hochpreisige Marken wie Porsche und BMW durchaus gut da. „Hier haben die Beschäftigten auch langfristig gute Chancen“, sagt Thode.

Im Bankensektor könnten Arbeitnehmer ebenfalls getrost in die Zukunft blicken – vorausgesetzt, sie haben den richtigen Riecher: „Natürlich werden am Schalter immer weniger Angestellte gebraucht“, sagt Thode. „Aber nach Beratung besteht dafür ein immer größerer Bedarf.“ Wer sich darauf rechtzeitig einstelle, könne sich heute schon weiterbilden – und damit den eigenen Job sichern.

Ein weiterer Zukunftstrend: Arbeitnehmer werden immer flexibler. Was heute noch vielen Sorgen bereitet, kann schon bald für neue Arbeitsplätze sorgen, schätzt Thode: „Alles, was die nötige Flexibilität ermöglicht, ist im Kommen: Wohnungsvermittlung, individuelle Beratung, Kinderbetreuung, Hilfe im Haushalt – hier werden viele Jobs neu entstehen.“

Doch es gibt noch andere Indizien, die auf krisenfeste Arbeitsplätze hindeuten: „Überall, wo man über Zuwanderung nachdenkt, sind die Aussichten gut“, sagt IWH-Experte Buscher. Neben IT-Fachkräften gelte das vor allem auch für Pflegeberufe. Ebenfalls sicher seien Berufe mit unbequemen Arbeitszeiten: „Im Bäckerhandwerk, im Hotel- und Gaststättengewerbe werden ja heute schon händeringend Arbeitskräfte gesucht.“

Nur: Wem solche Arbeit nicht liegt, der wird in diesen Berufen keinen Erfolg haben. Peter Schnur vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung rät deshalb, bei der Berufswahl an erster Stelle die eigenen Neigungen zu beachten: „Da, wo man gut ist, wird man immer etwas finden.“

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