Wirtschaft : Wo es richtig günstig ist

Wer auf persönliche Beratung verzichten kann, spart viel Geld, wenn er Elektroartikel im Internet kauft

Dagmar Rosenfeld

Berlin - Sie haben dem deutschen Kunden beigebracht, dass Geiz geil ist und er sich beim Preis nicht verarschen lassen soll – die Elektronikfachmarktketten Mediamarkt und Saturn. Und das mit Erfolg: Eine Umfrage der Münchner Marktforschungsgesellschaft E-Circle hat ergeben, dass 42 Prozent der Deutschen ihre Weihnachtsgeschenke bei Mediamarkt einkaufen wollen. Für Verbraucher, denen es vor allem um den Preis geht, ist das Internet allerdings eine echte Alternative zum stationären Handel: Denn die günstigsten Preise für Elektroartikel gibt es meist im Netz.

Die Angebote der Onlinehändler seien oft erheblich preiswerter als die der stationären Großhändler, heißt es bei den Betreibern von Preisagenturen und Preissuchmaschinen. „Beim Preisvergleich liegen Mediamarkt und Saturn mit ihren Angeboten zumeist nur im Mittelfeld“, sagt Lars Eichhorn, Vorsitzender des Fachverbandes pa Preisagenturen.

„Wir wollen uns bewusst nicht mit dem Internethandel messen, der zwar gelegentlich günstigere Preise haben kann, aber bei dem die Kunden viele Nachteile in Kauf nehmen müssen“, kontert ein Sprecher der Media-Saturn-Holding. So seien bei Mediamarkt und Saturn die Produkte dauerhaft in ausreichender Anzahl verfügbar, vorführbereit angeschlossen und könnten miteinander verglichen werden. „Und bei Bedarf bieten wir eine sehr gute Fachberatung“, so der Sprecher.

Wer im Internet bestellt, der muss auf Beratung verzichten und oft auch einige Tage Lieferzeit in Kauf nehmen. „Das ist für Kunden interessant, denen es vor allem darum geht, ein richtiges Schnäppchen zu machen“, sagt Torsten Schnoor, Geschäftsführer der Preisvergleichmaschine guenstiger.de. Seine Agentur wertet intern regelmäßig die Angebote aus den Mediamarkt- und Saturn-Prospekten in Hamburg und Berlin aus und vergleicht sie mit den Preisen der Internet- und Versandhändler.

Die Auswertung der Hamburger Mediamarkt-Broschüre mit den Angeboten für die 48. Kalenderwoche 2004 zeigt zum Beispiel, dass die Produkte im Internet teilweise bis zu 20 Prozent billiger sind. So wurde der JVC-Camcorder GZ-MC200EX bei Mediamarkt für 1279 Euro angeboten. Beim Onlinehändler Bild und Klang hingegen kostete er zu dem Zeitpunkt inklusive Versand lediglich 993 Euro – ein Preisunterschied von 286 Euro. Oder die Canon-Digitalkamera Ixus30, die im Mediamarkt-Prospekt für 289 Euro zu finden ist: Das Modell kostete beim Mannheimer Versandhändler M&M Discount rund 35 Euro weniger (Versandkosten eingerechnet).

Selbstverständlich gibt es in dem Mediamarkt-Prospekt auch Elektroprodukte zu unschlagbar guten Preisen. „In der Regel ist es so, dass Mediamarkt zwei, drei Produkte zu extrem günstigen Preisen anbietet, und die bekommt man dann tatsächlich nirgends billiger“, sagt Preisprofi Eichhorn. Dabei handele es sich aber oft um ältere Modelle, die für viele Käufer dennoch den gewünschten Effekt brächten. Bei Digitalkameras etwa ist es oft so, dass neuere Modelle einer Produktlinie sich von ihren Vorgängern nur durch äußere Veränderungen unterscheiden, ansonsten aber die gleiche Leistung bringen.

Im Mediamarkt-Prospekt aus dem November, den guenstiger.de verglichen hat, ist etwa der JVC Camcorder GR-FX16 mit 199 Euro aufgeführt – den Preis konnte kein Onlinehändler unterbieten. „Allerdings zählt dieser Camcorder auch nicht zu den Topmodellen“, sagt Schnoor von guenstiger.de.

Das „ebenso alte wie falsche Vorurteil, bei Mediamarkt und Saturn sei nur die Aktionsware günstig“, wollte der Unternehmenssprecher nicht weiter kommentieren. Zur Tiefpreisgarantiebei den Elektroketten machte er deutlich, dass die immer nur für den lokalen Markt gelte: „Unsere Geschäftsführer sorgen dafür, dass im stationären Handel Mediamarkt und Saturn den günstigsten Preis der Stadt haben.“ Jeder Fachmarkt ist eine eigenständige Gesellschaft, an deren Kapital der jeweilige Geschäftsführer mit zehn Prozent beteiligt ist. „Unsere Philosphie gibt ihm nur vor, dass er die größte Auswahl und den günstigsten Preis aller vergleichbaren Wettbewerber vor Ort haben muss“, so der Sprecher. Sieht der Kunde ein bei Mediamarkt und Saturn gekauftes Produkt in der jeweiligen Region oder Stadt bei einem stationären Mitbewerber zu einem günstigeren Preis, so könne er das selbstverständlich zurückgeben oder die Differenz werde ihm ausbezahlt.

In der Weihnachstzeit jedenfalls lohnt sich der Preisvergleich auch im stationären Handel. Das zeigt eine Studie des MDR, die der Sender bei guenstiger.de in Auftrag gegeben hat. Das Ergebnis: Im Weihnachtsgeschäft warten die Fachhändler mit Angeboten auf, die häufig günstiger sind als die der Elektro-Discounter. Die Tester von guenstiger.de haben Anfang Dezember Händler in Leipzig, Erfurt und Halle geprüft.

Den größten Preisunterschied fanden sie bei der Elektrozahnbürste „Oral-B-Sonic Complete“. Das beste Angebot bei einem Elektro-Discounter (Makromarkt, Mediamarkt, Saturn) war 89,99 Euro, während der Fachhändler mit 62,99 Euro rund 30 Prozent weniger für das Produkt verlangte.

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