Wirtschaft : Wo Herr Rossi das Glück sucht

Italien wettet am liebsten beim Cappuccino

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Der Ober lächelt den beiden Frauen noch einmal bestätigend zu: „Zwei Cappuccini und eine Dreierwette.“ Den italienischen Charme des Kellners hätte es gar nicht gebraucht. Auch so ist der Cappuccino eine Verlockung. Aber anders als in Italien üblich, steht er hier nicht im Mittelpunkt. Die Aufmerksamkeit gilt einem Fernseher über der Bar, wo gleich die Pferde an den Start gehen. Die Boxen gehen auf und der Tisch mit den beiden Tassen fängt unter den Händen der Frauen merklich an zu wackeln. Kaffee und Wetten – eine Kombination, die in Italien nicht ungewöhnlich ist. Gemütlich im Bistro sitzen, mit den Freunden plaudern und dabei den Sport immer mal wieder im Auge haben. Mehr als 18000 Annahmestellen hat das Wettunternehmen Sisal in knapp 60 Jahren in Italien eingerichtet. Seit 1946 entwickelt sich das elitäre Pferderennen so zum beliebten Massenphänomen. Fußballwetten werden inzwischen aber auch angenommen.

Was in Italien – und übrigens auch in Frankreich mit einem ähnlichen System von PMUCafés funktioniert – ist in Deutschland bislang erfolglos. Das strikte staatliche Wettmonopol verhindert einen spannenden Cafébesuch mit Sport- und Pferdewetten. Einzig die Traber und Galopper dürfen ihre Lizenzen eigenmächtig vergeben. Buchmacher dürfen – mit Ausnahme derer, die alte DDR- Lizenzen besitzen – andere Wetten nur vermitteln. Pferdewetten allein sind aber nicht so attraktiv. Deshalb versuchen die Buchmacher seit Jahren in den boomenden Markt der Sportwetten zu kommen.

Der Wettmarkt ist in Europa mit rund zehn Prozent Wachstum einer der am stärksten prosperierenden Märkte. Deshalb fordern Buchmacher auch schon lange eine Freigabe des Monopols in ganz Europa. Der europäische Gerichtshof (EuGH) hat im November 2003 im so genannten Gambelli-Urteil den Buchmachern im Prinzip erst einmal Recht gegeben. Ein Wettmonopol beschränke die Niederlassungsfreiheit und den freien Dienstleistungsverkehr. Die nationalen Gerichte haben sich dieser Maßgabe in ihren Urteilen aber bislang nicht gefügt. So bleibt der Markt weiter gespalten. In England und Österreich ist das Wetten fast unbeschränkt, in Italien und Frankreich ist es recht frei und in Deutschland am stärksten reglementiert. iwo

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