Wirtschaft : Wo kein Platz ist, stoßen Menschen an ihre Grenzen

Das KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen“ kann zu Räumen ohne Barrieren beitragen

Insa Lüdtke

Bereits in 15 Jahren wird das Wohnen für die Zielgruppe „70 plus“ ein Viertel des gesamten Wohnungsmarktes ausmachen. Doch schon heute sind altersgerechte Wohnungen Mangelware. Bislang gibt es nach Schätzungen von Experten nur rund 400 000 bis 500 000 entsprechende Wohneinheiten, das entspricht etwa einem Prozent des Wohnraums in Deutschland. Wie eine Umfrage durch TNS Emnid im Auftrag des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) Anfang 2011 ergab, wünschen sich zwei Drittel der Senioren, ihren Lebensabend in ihrer angestammten Wohnung zu verbringen.

Altersgerechtes Bauen und Wohnen sind angesichts der demografischen Veränderungen zentrale Anliegen der Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik. Daher hat die Bundesregierung im Jahr 2009 das Förderprogramm „Altersgerecht Umbauen“ aufgelegt. Dessen Ziel ist es, die Anpassung bestehenden Wohnraums zu fördern, damit insbesondere ältere Menschen möglichst lange unabhängig und selbstbestimmt in ihren vertrauten Wohnungen leben können.

Den Abbau von Barrieren fördert die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) mit zinsverbilligten Krediten oder alternativ mit Zuschüssen. Diese können Eigenheimbesitzer und Wohnungseigentümer sowie Wohnungsgesellschaften und Wohnungsgenossenschaften beantragen. Im Unterschied zu anderen KfW-Programmen können hierbei außerdem Mieter mit dem Einverständnis ihres Eigentümers Fördermittel beantragen. Dieser Umstand verschafft Berlin als Stadt mit 1,6 Millionen Mietwohnungen – das entspricht 87 Prozent des Gesamtbestands – zusätzlich Potenzial für den altersgerechten Umbau. „Das Programm beinhaltet verschiedene Förderbausteine“, sagt Eske Ennen, Pressesprecherin der KfW, diese könnten miteinander kombiniert werden. „Das Förderprogramm definiert erstmals bundeseinheitliche Standards für barrierearmes Wohnen im Gebäudebestand“, ergänzt sie.

Der Förderhöchstbetrag im Programm „Altersgerecht Umbauen“ liegt bei 50 000 Euro pro Wohneinheit. Finanziert werden bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten. Der Zinssatz wird für zehn Jahre festgeschrieben, die Kreditlaufzeit beträgt bis zu 30 Jahre. Kostenfreie, außerplanmäßige Tilgungen sind jederzeit möglich. In der Zuschussvariante werden 5 Prozent der förderfähigen Kosten mit maximal 2500 Euro je Wohneinheit bezuschusst. Eine Kombination mit anderen Fördermitteln wie z. B. dem KfW-Programm „Energieeffizient Sanieren“ ist zulässig, sofern die Summe aus Krediten, Zuschüssen und Zulagen die Summe der Aufwendungen nicht übersteigt. Nicht gefördert werden Umschuldungen, Nachfinanzierungen bereits begonnener oder schon abgeschlossener Vorhaben sowie Ferien-, Wochenendhäuser und Heime – insbesondere Pflege- und Altenwohnheime, die unter die Anwendung des Heimgesetzes (§1 HeimG) oder unter entsprechende Vorschriften nach den Heimregelungen der Länder fallen.

Wer einen Antrag stellen möchte, müsse dies, wie bei allen öffentlichen Fördermitteln üblich, stets vor Beginn des Bauvorhabens tun, betont Ennen. Weitere Voraussetzung für die Fördermittelgewährung ist die Durchführung der Maßnahmen durch Fachunternehmen. Aus haftungsrechtlichen Gründen ist Ansprechpartner die Hausbank.

BFW-Präsident Walter Rasch begrüßt, dass das KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen“ über 2011 hinaus weitergeführt werden soll, und fordert, die Zuschussvariante, die bislang nur Selbstnutzern vorbehalten ist, auch für Wohnungsunternehmen zu öffnen. Rasch schlägt außerdem vor, das KfW-Programm durch steuerliche Anreize zu ergänzen.

Um Möglichkeiten für die Anpassung von Wohnungen an die Bedürfnisse älterer Menschen aufzuzeigen, fördern das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Rahmen des KfW-Programms „Altersgerecht Umbauen“ bundesweit insgesamt 20 Modellprojekte. Die GEWOBAG wurde als einziges Berliner Unternehmen ausgewählt, daneben sind das Nachbarschaftsheim Schöneberg e. V. und das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg Partner des Projekts.

Seit Mai 2010 werden über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren hinweg vier Seniorenwohnhäuser altersgerecht angepasst und beispielhaft untersucht. Drei Themenbereiche werden genauer betrachtet: Die bauliche Bestandsanalyse dient dazu, komfortable und barrierearme Lösungen für die Innen- und Außenbereiche zu entwickeln. Im sozialen Bereich werden die genauen Bedürfnisse der Bewohner ermittelt, außerdem soll das ehrenamtliche Engagement im Quartier unter intensiver Einbeziehung der Seniorenwohnhäuser gefördert und ausgebaut werden. Bei der finanziellen Betrachtung wird untersucht, wie die anstehenden baulichen Maßnahmen und Betreuungsleistungen kostengünstig finanziert werden können. „Maßnahmen zum altersgerechten Umbau liefern zunächst einen wichtigen Beitrag, die Seniorenwohnhäuser zukunftsfähig zu machen“, sagt Marie-Therese Krings-Heckemeier, „davon profitieren kann letztlich das ganze Quartier.“ Krings-Heckemeier ist Vorstandsvorsitzende des wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Beratungsunternehmens „empirica“ und ist mit der wissenschaftlichen Begleitung des Modellvorhabens beauftragt. Für die bauliche Sicht wurde Eckhard Feddersen hinzugezogen. Sein Büro „feddersenarchitekten“ ist auf das Thema Wohnen im Alter spezialisiert. „Häufig sind es schon ganz kleine Maßnahmen, die eine erhebliche Erleichterung für ältere Menschen darstellen können.“

Weitere Einzelheiten sind auf der Homepage der KfW unter www.kfw.de zu finden. Alternativ kann man sich telefonisch bei der KfW unter 01801-33 55 77 informieren.

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