Wirtschaft : Wo sind die Heinzelmänner?

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Von Dieter Fockenbrock

Ironie der Geschichte. Der Bundeskanzler ruft das Jahr der Innovation aus. Die deutsche Wirtschaft soll wieder Profil zeigen – weltweit. Technik made in Germany muss an seine glanzvollen Zeiten anknüpfen, meint Gerhard Schröder. Und ausgerechnet in diesem Kanzlerjahr der Innovationen gehen bei Grundig in Nürnberg die Lichter aus. Der deutsche Nachkriegspionier für Rundfunk und Fernsehtechnik verabschiedet sich – endgültig und unwiderruflich. Was bleibt, ist bestenfalls der Markenname.

Das wäre nicht weiter dramatisch, hätte der Familienunternehmer Grundig einen würdigen Nachfolger gefunden. Einen Weltkonzern von Ruf etwa, der auf seinem Markt eine entscheidende Rolle spielte. Doch Walkman, DVD und TV tragen heute fast nur noch asiatische Namen. Die größte Wirtschaftsnation Europas hat sich schon längst aus der Unterhaltungselektronik verabschiedet. An Deutschland ist allenfalls die Kaufkraft der Verbraucher interessant – immerhin.

Grundigs Niedergang und die Zerschlagung der letzten Reste dieses renommierten Technologieführers im Jahre 2004 ist ein Symbol. Denn die Gefahr, dass andere Branchen dem Vorbild der Radio- und Fernsehhersteller folgen, ist nicht ganz unbegründet. Selbst die deutschen Automobilhersteller, die nach wie vor weltweit die Maßstäbe setzen, wissen, dass der Vorsprung oftmals nur noch minimal ist und selbst kleine Fehler mit dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit bestraft werden können. Ganz abgesehen von den Technologieflops, die sich die Konzerne dieser Republik leisten. Das Maut-System von Daimler-Chrysler und Deutscher Telekom gerät zur Lachnummer. Der Transrapid kann angeblich nur mit dicker staatlicher Finanzspritze ans Schweben kommen.

Grundigs Niedergang hat eigene Gründe. Doch das Muster des Abstiegs ist überall das gleiche. Es herrscht Mangel an führender Technologie. Deutschland braucht wieder seine „Heinzelmänner“.

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