Wirtschaft : Wöhrl greift die Lufthansa an

Eigentümer der Fluggesellschaft dba steigt beim Ferienflieger LTU ein / Air Berlin fällt zurück

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die deutsche Luftfahrtbranche sortiert sich neu. Hans Rudolf Wöhrl, Eigentümer der Fluggesellschaft dba, steigt beim angeschlagenen Ferienflieger LTU ein und verdrängt Air Berlin vom zweiten Platz der größten Fluggesellschaften in Deutschland. Marktführer Lufthansa dürfte den wachsenden Wettbewerbsdruck der Billigflieger zu spüren bekommen. Steigende Ölpreise und der ruinöse Preiskampf zwingen die Airlines zu neuen Bündnissen und aggressiveren Strategien. Wöhrl (siehe Kasten) kündigte der Lufthansa am Freitag einen harten Wettbewerb an: „Jetzt wollen wir es wissen.“ LTU/dba werde der erste Billigflieger mit einem weltweiten Netz.

Die dba hatte auch mit einer engeren Kooperation mit der Fluggesellschaft Air Berlin geliebäugelt, mit der ein gemeinsamer Internet-Vertrieb besteht. Ein Sprecher von Air Berlin kommentierte das Engagement bei LTU lakonisch: „Wir beglückwünschen Herrn Wöhrl zu dieser Herausforderung.“ Air Berlin hatte eine noch engere Kooperation mit dba ins Auge gefasst, um die Flugnetze abzustimmen. Analysten bewerteten das neue Bündnis zurückhaltend: „Die Unternehmen brauchen die nötige Kapitalgröße, um im Wettbewerb bestehen zu können“, sagte Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland- Pfalz. „Ob die erhofften Synergieeffekte tatsächlich erzielt werden oder nur auf dem Papier stehen, muss sich zeigen.“ Air Berlin werde es nach dem Vorstoß von Wöhrl schwerer fallen, seine dominierende Rolle im deutschen Billig- und Ferienfliegermarkt zu behaupten. Die Lufthansa-Aktie verlor am Freitag 1,36 Prozent aud 13,73 Euro.

Hans Rudolf Wöhrl erwarb mit seiner Intro Verwaltungs GmbH einen 60-Prozent-Mehrheitsanteil an der LTU. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen; Wöhrl betonte jedoch, er habe den Anteil keineswegs für einen Euro bekommen. Beide Unternehmen könnten ihre Verbindungen gut ergänzen. Die Netze müssten nun eng aufeinander abgestimmt werden. „Parallel fliegen wir unwirtschaftlich.“

Nach dem Ausstieg der Swissair- Gruppe im Jahr 2001 befand sich die LTU auf der Suche nach einem neuen Investor. Wöhrl übernimmt die treuhänderisch verwalteten 49,9 Prozent der Swissair sowie weitere 10,1 Prozent, die bei der Kölner Finanzgesellschaft CKA liegen. 40 Prozent hält weiter der Rewe-Konzern. Rewe-Chef Achim Egner nannte Wöhrl einen „Wunschpartner“. Auch LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach sprach von einer „Traumlösung“. Die Mitarbeiter müssten sich keine Sorgen machen. Die Standorte München und Düsseldorf blieben erhalten. Ob dies auch für beide Marken gilt, ist noch offen. Die dba verfügt über 29, die LTU über 26 Flugzeuge. Zusammen beschäftigen die Unternehmen mehr als 4000 Mitarbeiter. Beide versprechen sich auch bei der Abfertigung und der Technik Synergievorteile.

Hier bestehen allerdings auch Risiken. Die dba fliegt überwiegend Boeing-Maschinen, LTU Airbus. „Das kann ein Problem werden“, sagte Analyst Hellgren. Doppelte Wartung, Sicherheitsstandards oder Spezialpersonal könnten Kosten verursachen, „die einen Teil der Synergien wieder auffressen“. Zwar sei die Flotte vergleichsweise klein. Die Maschinen würden aber stark beansprucht. mit dpa

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