Wirtschaft : Wohnen, arbeiten, leben, lernen – in der Stahlkiste

Auch Container haben Flair. Dabei sind sie genormt und robust

Dorothea Hülsmeier (dpa)
Frachtkisten zu Wohnhäusern. Die vielfältigen Möglichkeiten der Container-Architektur zeigt noch bis zum 4. September eine Ausstellung im Düsseldorfer NRW-Forum. Foto: dpa
Frachtkisten zu Wohnhäusern. Die vielfältigen Möglichkeiten der Container-Architektur zeigt noch bis zum 4. September eine...Foto: dpa

NRW FORUM]Robust ist der Container, stapelbar und genormt: knapp 2,50 breit, 6 Meter lang und 2,60 Meter hoch. Die Erfindung der Standard-Frachtkiste ist eine Erfolgsstory: Rund 30 Millionen Container schippern heutzutage über die Weltmeere. Auch auf Architekten übt das metallene Sinnbild der Globalisierung eine große Faszination aus.

Obwohl der Container gar nicht als Behausung gedacht ist, kann aus der preiswerten Box mit knapp 15 Quadratmetern Fläche ein Heim gebaut werden. Man kann aus dem Container auch ein Ladengeschäft machen oder Büros, Schulen, Studentenwohnheime, Museen, Kinos, sogar ein Zuhause für Waisenkinder oder eine Notunterkunft für Menschen in Katastrophengebieten, die alles verloren haben.

Die Möglichkeiten der Container- Architektur zeigt jetzt eine Ausstellung im NRW-Forum in Düsseldorf (bis 4. September). 22 Modelle wurden im Maßstab 1:5 für die Schau gebaut. Mehr als 140 Entwürfe wurden ausgewählt – manche utopisch, manche ganz realistisch. Das höchste Modell stößt durch die Decke des Forums.

Der in Aachen geborene Künstler Stefan Sous etwa hat einen Container verchromt und zu einem Kunstobjekt verwandelt. Die Sportartikelfirma Puma ließ aus 24 Containern ein mobiles Kaufhaus bauen. Und Patrick Pütz hat der raue Charme der Metallkiste zu seinem temporären Museum „100 Jahre St. Pauli“ in Hamburg inspiriert.

Übermäßig teuer ist der nackte Container – als Rohbau gewissermaßen – mit rund 1200 Euro zwar nicht. Jedoch könne der Ausbau zum gemütlichen Wohnheim rund 25 000 Euro kosten, sagt Christof Rose von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Die Box allein hat weder Schallschutz noch Wärmedämmung. Da heißt es nachrüsten. Auch Fenster müssen eingesetzt werden. Bei einem Entwurf der Düsseldorfer Schau sind hingegen vom Container nur noch einige wenige Stahlteile übrig, der Rest ist Glas.

Anrührend ist der Entwurf des US-Architekten Adam Kalkin für ein ökologisches Waisenhaus im südafrikanischen Soweto. Auf den Wohncontainern für Kinder, deren Eltern an Aids gestorben sind, sind NRW FORUM]Gemüsebeete angelegt/NRW FORUM], die von einem zeltförmigen Sonnenschutzdach überspannt werden. Kalkin hat für die Unesco auch ein mobiles Kindermuseum aus einem überlangen Container entworfen, das durch den afrikanischen Kontinent touren soll. Der Architekt bewohnt in New York selber einen Container: „Ich mag es“, behauptet er.

Mit dem Wohnen in Modulen beschäftigten sich bereits die Architekten der Avantgarde in den 1920er Jahren. Der Schweizer Le Corbusier entwickelte später die Idee der gut 13 Quadratmeter großen „Raumzelle“ mit allen zum Wohnen erforderlichen Einrichtungen. Hochhaussiedlungen der 60er Jahre in westdeutschen Großstädten und Plattenbauten im Osten seien allerdings abschreckende Beispiele für modulares Bauen, sagt der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Hartmut Miksch.

Kann der Container also ein Zukunftsmodell der Architektur sein? Das glaubt der Düsseldorfer Architekt Christoph Ingenhoven nicht. Alle Notwendigkeiten, aber auch „grauenhafte Obszönitäten“ kämen im Container zum Ausdruck, sagt Ingenhoven. Er hat nicht nur das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 entworfen, sondern auch eine Containersiedlung für Menschen in Katastrophengebieten. Zur Bewältigung der globalen Probleme wie der Überbevölkerung und des mangelnden Wohnraums sei der Container nicht geeignet, meint der Architekt.

Dass sich auch die Kunst des Containers annimmt, ist kein Wunder. Das Gelände des NRW FORUM]ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerksgeländes, kurz RAW,/NRW FORUM] am S-Bahnhof Warschauer Straße wird bald wie ein Überseehafen aussehen. Zumindest ein bisschen. Denn im Herbst werden hier 100 olivfarbene Überseecontainer über- und aneinandergeschachtelt. 105 Meter lang wird diese Containerburg, 15 Meter breit und fünf Container hoch, also ebenfalls 15 Meter. Dahinter steckt ein Kunstprojekt, denn der Unterschied zum Verladehafen ist: Im Inneren werden die Containerwände entfernt, es gibt also große Säle und Ausstellungsflächen. „Man wird an vielen Stellen durch Glaswände hineinsehen können“, sagt Christoph Frank vom Kreativennetzwerk Platoon, das sich die Containerhalle ausgedacht hat.

Unterstützt wird der Verein durch das bekannte Moabiter Architekturbüro Graft, das in Berlin unter anderem das futuristische Hotel Q am Ku’damm gebaut hat. „Das wird kein White-Cube- Projekt“, sagt Christoph Frank, einer der Initiatoren von Platoon. Er will Spekulationen den Wind aus den Segeln nehmen, es handele sich um das Nachfolgeprojekt der Temporären Kunsthalle, die von 2008 bis August vergangenen Jahres auf dem Schlossplatz stand. „Wir wollen hier Subkultur, nicht Galeriekunst.“Dorothea Hülsmeier (dpa)

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