Wohnen in Berlin : Berlin ist trotz Mietsteigerungen die günstigste Metropole Europas

Eigentumswohnungen sind in Berlin noch bezahlbar, bei Mieten sieht es dagegen in vielen Bezirken der Hauptstadt ganz anders aus.

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Wohnen in der Weddinger Platte. Die Mieten von Sozialwohnungen sind häufig stärker gestiegen als die von Wohnungen, die auf dem freien Markt zu haben sind. promo
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Berlin - Auf dem Berliner Immobilienmarkt wird es eng und enger. Preiswerter Wohnraum ist in einigen Quartieren kaum noch zu haben und Geringverdiener müssen inzwischen bis zur Hälfte ihres Einkommens für die Miete aufwenden. Durch viel zu wenig Neubauten im mittleren Preissegment steigen die Mieten auch deshalb, weil die Bevölkerung wächst. Alles in allem ist Berlin auf dem Weg zu Hamburger oder Münchner Verhältnissen. Allerdings sind Einkommen und Kaufkraft hier deutlich geringer.

„Wir haben eine neue Nachfrage nach Kleinstwohnungen in der Größenordnung bis zu 40 Quadratmetern“, sagte Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, bei der Vorstellung einer aktuellen Studie zum sozialen Wohnungsbau am Donnerstag in Berlin. Weil viele kleinere Wohnungen in den siebziger und achtziger Jahren zusammengelegt worden seien, fehlten die nun. Zugleich seien Familienwohnungen Mangelware: Zimmer in größeren Wohnungen würden aufgrund von Mietsteigerungen heute häufig einzeln vermietet.

Diesen Trend bestätigten Michael Schick, Immobilienmakler in Berlin und Vize-Präsident des Immobilienverbandes IVD, und Jörg Schwagenscheidt, Vorstand der GSW Immobilien AG. „Auf der Angebotsseite tut sich wenig“, sagte Schick am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion des Verbands Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Die Neubauten – im ersten Halbjahr 2012 wurden knapp 3000 Baugenehmigungen erteilt – seien durch Abriss und Zuzug ausgeglichen worden. Besonders paradox: In Berlin sind Sozialwohnungen infolge der Finanzierungsmodalitäten in der Regel oft teurer als Mietwohnungen auf dem freien Markt. „Wenn Menschen im unteren und mittleren Element in der Stadt nicht mehr umziehen können, dann ist das ein Problem“, sagte Schwagenscheidt, dessen Unternehmen 53 000 Wohnungen in der Stadt hat. Besonders schwierig ist die Lage in Mitte, Pankow, Prenzlauer Berg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf, und Friedrichshain- Kreuzberg. Hier steigen Mieten und Wohnungspreise besonders stark. Dennoch sind Eigentumswohnungen noch vergleichsweise günstig. „Berlin ist heute noch Europas günstigste Metropole“, sagte Schick, „1992 war sie die teuerste“.

Er befürchtet derzeit, dass Immobilientransfers ab 2014 mit einer Spekulationssteuer belegt werden. Gewinne dürften dann trotz steigender Mieten wegen zunehmender Inflation kaum mehr zu realisieren sein. Und so hat der Makler eines seiner Häuser in Neukölln soeben verkauft. Er befürchtet neben einer Vermögensabgabe und einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes nach der Bundestagswahl 2013, dass demnächst teure Auflagen zur energetischen Sanierung im Bestand die Rendite zusätzlich schmälern könnte. „Wenn die Preissteigerungen nicht mehr mit Mietsteigerungen einhergehen, ist die Flucht in Immobilien während der Euro-Krise nicht die Flucht in den sicheren Hafen“, sagte auf der Veranstaltung des VBKI Carsten Sager, Leiter der Finanzierungsberatung Merck Finck & Co. Das könnte ein Grund dafür sein, warum in Berlin vor allem Wohnungen im Luxussegment gebaut werden: deren Besitzer kommen mit zusätzlichen Belastungen besser klar als der Mittelstand.

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