Wirtschaft : Wohnhäuser in Berlin für eine Milliarde Euro gesucht

Der britische Investmentfonds „Puma Brandenburg Limited“ will sich langfristig in der Hauptstadt engagieren

Ralf Schönball

Berlin – Elisa Tarlow hat ein ehrgeiziges Programm: Eine Milliarde Euro will die 31-jährige Managerin aus Kalifornien innerhalb von nur 18 Monaten zum größten Teil in Berliner Wohnhäuser investieren. „Ich liebe Berlin“, sagt sie.

Seit rund einem Jahr wohnt sie in der Hauptstadt und hat in dieser Zeit schon ordentlich eingekauft: Wohnhäuser in der Oranienburger Straße (Mitte), am Savignyplatz (Charlottenburg) und in der Motzstraße (Schöneberg) für Investoren. Dann trat sie in den Dienst des Fonds „Puma Brandenburg Limited“, der auf einer Pressekonferenz im Hotel Adlon am Dienstag seine Investitionspläne vorstellte. Für den institutionellen Investoren aus Großbritannien wird sie nun Objekte in ähnlichen Lagen erwerben, wie der Tagesspiegel bereits berichtete. „Wir sind keine Finanzinvestoren, sondern streben ein langfristiges Engagement in Berlin an“, sagt der Vorsitzende des Fonds, Peter Freeman aus London.

Und auch Freeman ist überzeugt, dass auf dem Berliner Markt Wohnimmobilien unter Wert verkauft werden. Die Mieten in der Hauptstadt lägen auf der Höhe von Mittelstädten. Zwar räumt Freeman ein, dass die wirtschaftliche Entwicklung Berlins hinter der von Frankfurt am Main oder München herhinkt. „Doch diese Lücke wird sich schließen“, sagt er voraus.

Den wirtschaftlichen Anschluss an andere deutsche Metropolen wird Berlin nach Überzeugung der Investoren nicht kurz- sondern mittelfristig finden. Das schreckt sie aber ebenso wenig ab wie der umfassende Mieterschutz in Deutschland. Die Investoren versichern, dass ihr Kalkül auch dann aufgeht, wenn sie lediglich die üblichen Mieterhöhungen vornehmen, die bei einem Wechsel des Mieters oder bei steigenden Werten im Mietspiegel zulässig sind. „Unser Investment ist auf eine Dauer von zehn bis 15 Jahren angelegt“, sagt Freeman.

Trotz der langfristigen Anlagestrategie sind die Renditeerwartungen der Fonds-Anleger hoch: „Mehr als zehn Prozent“, sagt Freeman. Das ist viel, gemessen an den Kaufpreisen für Wohnhäuser in Berlin. Diese haben erheblich angezogen. Sogar Elisa Tarlow erwirtschaftet mit den ersten in der Stadt erworbenen Häusern eine durchschnittliche Mietrendite von nur etwa acht Prozent.

Das verdirbt den Renditeappetit der Investoren aber nicht. Denn diese profitieren von einem „Leverage-Effekt“. Der kommt durch den Einsatz von Fremdkapital zustande. So hat Puma Brandenburg rund zwei Drittel seines Kapitals von Banken geliehen und bezahlt dafür wesentlich weniger als die acht Prozent erzielbare Mietrendite. Die Mieteinnahmen, die nach Abzug der Zinsen übrig bleiben, fließen den Anlegern zu und steigern so die Rendite auf deren Eigenkapital.

Mit dieser Strategie ist einer der größten Finanzinvestoren am Berliner Markt erfolgreich: Cerberus, seit 2004 Eigentümer der zuvor landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft GSW. Am Dienstag meldete die Gruppe den Kauf von sieben Gewerbeimmobilien in Düsseldorf, Stuttgart, Nürnberg, Kassel und Duisburg von der Hannover und der E+S Rückversicherung. „Auch auf dem Berliner Markt sind wir weiter aktiv“, sagte Cerberus-Berater Ralph Winter.

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