Wohnkostenreport vom IW-Institut : Kaufen ist billiger als mieten

Ein Drittel sparen Käufer von Wohnungen im Vergleich zu Mietern. Nur leisten kann sich kaum einer das Immobilieneigentum.

Rechnet sich. Eine Wohnung kaufen und selbst nutzen kommt billiger als zur Miete wohnen.
Rechnet sich. Eine Wohnung kaufen und selbst nutzen kommt billiger als zur Miete wohnen.Foto: dpa-tmn/Andrea Warnecke

Geht es nach der Firma Accentro, dann gibt es angesichts steigender Mieten keine Alternative zur Eigentumswohnung: Zumal diese den Bürger ein Drittel billiger kommt als das Mietobjekt, wobei Kredit- und Nebenkosten sogar eingerechnet sind. Da Accentro Millionen mit Wohnungsprivatisierungen macht, verwundert diese Aussage nicht. Weil die Firma aber die Forscher vom Institut für Wirtschaft in Köln das ganz genau durchrechnen ließen, lässt der „Wohnkostenreport 2017“ dann doch aufmerken.

In Berlin zahlen Käufer 36 Prozent weniger als Mieter


„Kaufen ist aufgrund immer noch niedriger Zinsen günstiger als Mieten, in Berlin beträgt der Vorteil 36 Prozent“, sagt Michael Voigtländer vom IW. Das Kölner Wirtschafts-Institut hat für rund 400 Kreise die Kosten des Wohnens verglichen: für Mieten auf der einen Seite, für Eigentum auf der anderen. In Berlin setzt das IW Mieten von acht Euro pro Quadratmeter Nettokalt zur Grundlage und stellt diesen Kreditkosten für Kauf der Wohnung gegenüber: Rund 2700 Euro je Quadratmeter, was in Berlin allerdings eher niedrig gegriffen ist. Über den Kaufpreis hinaus rechneten die Forscher eine Verzinsung des Eigenkapitals ein sowie eine Rücklage für Instandsetzungen von einem Prozent des Kaufpreises. Bei Mietern setzen sie Mieterhöhungen in Höhe von 1,5 Prozent im Jahr voraus.

Den meisten fehlt das Eigenkapital


Diese Annahmen sind, vom geringen Kaufpreis abgesehen, nachvollziehbar, zumal die Forscher das Risiko einer Zinswende einkalkuliert haben. Nach zehn Jahren gehen sie bei der Anschlussfinanzierung von einem Zinssatz in Höhe von 4,5 Prozent aus, was Häuslebauer ungefähr vor etwa zehn Jahren für Hypotheken bezahlen mussten. Warum die Deutschen trotzdem einen Bogen um das Wohneigentum machen und sich lieber dem Risiko steigender Mieten aussetzen? Weil die meisten nicht das erforderliche Eigenkapital haben: 70.000 Euro braucht ein Käufer ungefähr, wenn er eine 300.000 Euro teure Wohnung kaufen will. Denn die Banken fordern bis zu 20 Prozent Eigenkapital, aus eigener Tasche zahlen Käufer dazu noch Grunderwerbsteuer, Notar, Gerichtskosten und die Maklerprovision.

48 Jahre alt, keine Kinder: Käufer sind älter


Junge Familien haben dieses Geld schon gar nicht, das zeigt der Report auch: Sage und schreibe 48 Jahre beträgt das Durchschnittsalter des deutschen Immobilien-Käufers und in den letzten vier Jahren ging die Zahl der Haushalte, die aus der Mietwohnung ins Eigentum wechselte sogar noch zurück um ein Viertel. Das spricht dann doch dafür, dass viele die Warnungen etwa der Bundesbank erhören, wonach die seit Jahren sprunghaft gestiegenen Preise für Immobilien überbewertet sind. Davon will Accentro-Chef Jacopo Mingazzini nichts wissen und verweist auf die wachsende Bevölkerungszahl in deutschen Metropolen. Dass dieser Zuzug in Berlin aber in den letzten Jahren von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten und wirtschaftlich darbenden Ländern Osteuropas getragen ist und keiner dieser Haushalte Mieten von acht Euro je Quadratmeter bezahlen kann, zeigt das Problem: An teuren Wohnungen, ob zum Kauf oder zur Miete, mangelt es nicht, aber die können sich die meisten nicht leisten.

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