Wohnpreise : Der Immobilienmarkt ist deutscher als gedacht

Immobilienhaie aus dem Ausland kaufen Häuser und Wohnungen - und treiben so die Preise nach oben. Oder doch nicht? „Der Ansturm ist nur gefühlt“, meint das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft.

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Wohnungsnot. Der Mieterbund warnt vor Preissprüngen, weil Immobilieninvestoren hohe Renditen erwarten.
Wohnungsnot. Der Mieterbund warnt vor Preissprüngen, weil Immobilieninvestoren hohe Renditen erwarten.Foto: dpa

Der Einfluss ausländischer Investoren auf dem deutschen Immobilienmarkt wird überschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer neuen Studie, die am Dienstag veröffentlicht wurde. „Der Ansturm ist nur gefühlt“, überschreibt das IW sein Papier. Lediglich ein Prozent aller Immobilienkäufe und -verkäufe seien 2011 aus dem Ausland getätigt worden. Neuere Daten liegen nicht vor. 2013 werde das Engagement internationaler Investoren auf dem deutschen Markt zwar steigen. Doch die hohen Nebenkosten, die beim Immobilienerwerb hierzulande anfielen, würden verhindern, „dass es nochmals zu einem Run aus dem Ausland auf deutsche Immobilien kommt wie Mitte des vergangenen Jahrzehnts“, schreiben die Experten.

Besonders in Großstädten wie Berlin, Hamburg, München oder Frankfurt am Main war der Einfluss ausländischer Immobilienkäufer zuletzt aber spürbar. Anders als beim letzten Immobilienboom 2005 bis 2008 (siehe Grafik) interessieren sich die Investoren weniger für Häuser auf dem Land, sondern für hochwertige Wohnungen in den Großstädten, die zu guten Preisen später wieder verkauft werden können. In Berlin werden inzwischen Quadratmeterpreise von mehr als 10 000 Euro erreicht. Auch das IW kommt zu der Einschätzung, dass die Bundeshauptstadt „einen regelrechten Immobilien-Hype“ erlebt. „Optimistischen Schätzungen“ zufolge hätten 2011 Investoren aus dem Ausland etwa ein Drittel aller Immobilienkäufe in Berlin getätigt.

Die Angst aber, dass ausländische Investoren Deutschlands gesamten Immobilienmarkt „fest im Griff“ hätten, sei unbegründet, erklärte das IW. Anleger aus anderen Ländern hätten 2011 in Deutschland für 685 Millionen Euro Immobilien erworben. Umgekehrt lägen die Zukäufe deutscher Investoren im Ausland mit im Schnitt rund 7,5 Milliarden pro Jahr zwischen 2002 und 2011 deutlich höher, heißt es. Ende 2011 belief sich das deutsche Immobilienvermögen im Ausland auf 147 Milliarden Euro, der Wert des ausländischen Immobilieneigentums in Deutschland lag zum selben Zeitpunkt bei knapp 24 Milliarden Euro. Der größte Kapitalzufluss stammte aus Luxemburg, wo viele Fonds ihren Sitz haben, gefolgt von den Niederlanden und Österreich.

Angesichts niedriger Zinsen suchen Anleger weltweit nach lohnenden Investitionsmöglichkeiten. Immobilien erleben deshalb schon seit Längerem einen Boom. Die Euroschuldenkrise und die allgemeine Unsicherheit an den Finanzmärkten trieb Investoren zusätzlich auf den Immobilienmarkt und in vermeintlich sichere Sachwerte. Viele Mieter und Wohnungskäufer müssen deshalb nach Einschätzung des Mieterbundes in diesem Jahr mit steigenden Kosten rechnen. Gerade bei Neuverträgen sind Mietpreissprünge von zehn Prozent und mehr möglich. Ende 2012 warnte der Mieterbund vor einer „neuen Wohnungsnot“ in den Städten.

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