Wirtschaft : Wohnungsbau im Osten weiter rückläufig

BERLIN (ADN). Der Wohnungsbau in Ostdeutschland wird nach dem scharfen Einbruch im vergangenen Jahr laut einer Experten-Prognose auch in diesem und im nächsten Jahr rückläufig sein. Für das laufende Jahr sei ein Minus von sechs bis sieben Prozent vorgezeichnet, konstatiert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch in Berlin in seinem Wochenbericht. Selbst bei "einigermaßen optimistischen Annahmen" müsse im nächsten Jahr nochmals mit einem Minus gerechnet werden. Dagegen werde das Wohnungsbauvolumen in ganz Deutschland durch einen Anstieg in den alten Ländern um jährlich knapp ein Prozent 1999 den Vorjahreswert von 290 Mrd. DM nur knapp unterschreiten und sich im Jahr 2000 auf gleichem Niveau halten.

Angesichts dessen seien weitere Einschnitte bei den steuerlichen Rahmenbedingungen des Mietwohnungsbaus oder bei der Eigenheimzulage "bedenklich", betont das Institut. Die Folgen würden sich dämpfend auf die Konjunktur auswirken. In Ostdeutschland müßte der Wohnungsbau aus strukturellen Gründen sogar stärker unterstützt werden. Dies gelte vor allem für die Sanierungsaufgaben bei Altbauten und beim industriellen Wohnungsbestand. Ein Ansatzpunkt sei die Liquidität der Wohnungsunternehmen, die durch Abführungen nach dem Altschuldengesetz eingeengt werde. Ein anderer Ansatzpunkt könnten nach Ansicht des DIW Modifikationen im Steuerrecht zur Abgrenzung von Erhaltungsaufwand und Herstellungskosten sein. So dienten Sanierungsmaßnahmen vorwiegend der Erhaltung und sollten dementsprechend über einen relativ kurzen Zeitraum absetzbar sein.

Der Wohnungsbau hatte bis 1995 in West- wie Ostdeutschland hohe Zuwachsraten verzeichnet und sich so als eine wesentliche Stütze der gesamtwirtschaftlichen Konjunktur erwiesen, konstatiert das DIW. Ab 1996 schrumpfte jedoch das reale Wohnungsbauvolumen in der Bundesrepublik. Ausschlaggebend war zunächst der starke Rückgang im Mietwohnungsbau Westdeutschlands. Durch letzte Mitnahmeeffekte bei den Fördergebietsanreizen verzögert, aber dafür um so schärfer brach 1997 auch in Ostdeutschland der Mietwohnungsbau ein. Die Belebung ausgewählter ostdeutscher Stadtviertel kommt trotz spezieller EU-Förderung nur langsam voran. Vier Jahre nach Beginn der Gemeinschaftsinitiative "Urban" stehe fest, daß die Mehrzahl der Städte mit überhöhten Erwartungen an das Programm herangegangen sei, schreiben das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Deutsche Institut für Urbanistik in einer Zwischenauswertung.

Überprüft wurden Stadtquartiere in Berlin, Brandenburg an der Havel, Halle, Magdeburg, Erfurt, Chemnitz, Rostock und Zwickau. Für sie waren von 1994 bis 1999 insgesamt 83 Mill. Ecu (rund 165 Mill. DM) bereitgestellt worden.

Die Umsetzung einzelner Maßnahmen sei häufig überschätzt worden. Die möglichen Koordinierungsprobleme innerhalb der Verwaltung sowie des Managements eines EU-Programms wurden hingegen unterschätzt. Die tatsächlich Wirkungen des Programms würden sich allerdings erst langfristig zeigen.

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