Wirtschaft : Wohnungsfinanzierungen stagnieren auf hohem Niveau

BONN (ADN). Die Wohnungsfinanzierungen durch Hypothekenbanken haben in den ersten fünf Monaten 1999 mit insgesamt 28,4 Mrd. DM auf hohem Niveau stagniert. Zweistellige Zuwachsraten zum Vorjahr dürften damit erst einmal der Vergangenheit angehören, schätzte der Verband deutscher Hypothekenbanken (VDH) in Bonn am Montag. Falls sich der derzeitige leichte Trend zu höheren Zinsen verstärke, würde sich die Nachfrage vorübergehend wieder beleben. Denn traditionell griffen Bauherren und Immobilienkäufer zu Beginn einer Zinserhöhungsphase verstärkt zu, um sich noch möglichst günstige Zinsen zu sichern.Zur Zeit belaufen sich laut VDH die Hypothekenzinsen bei fünfjähriger Zinsfestschreibung im Schnitt auf effektiv 5,1 Prozent und bei zehnjähriger Festschreibung auf 5,8 Prozent. Im Vergleich zu Anfang 1999 bedeute dies einen Anstieg von über 50 Basispunkten.Expansiv gewachsen sei in den ersten fünf Monaten die Ablösung fremder Darlehen mit einem Zuwachs von 30,7 Prozent auf 6,5 Mrd. DM, teilte der VDH weiter mit. Auch Eigenheim-Hypotheken hätten um 13,9 Prozent auf 12,8 Mrd. DM kräftig zugelegt. Dabei sei die Steigerungsrate im Neubau mit 18,1 Prozent auf 4,9 Mrd. DM überdurchschnittlich ausgefallen. Die Hypothekardarlehen für Bestandswohnungen seien demgegenüber um 8,1 Prozent auf 4,8 Mrd. DM gesunken, obwohl Gebrauchtobjekte im Vergleich zu Neubauten in der Regel preisgünstiger seien. Doch viele Erwerber von Wohneigentum bevorzugten neue Eigenheime, vor allem preisgünstige Einfamilienhäuser mit standardisierter Ausstattung und kleinen Grundstücken in stadtnaher Lage. Der Trend zu neuen preisgünstigen Eigenheimen geht den Angaben zufolge auch zu Lasten der Eigentumswohnungen. Die Darlehen für deren Erwerb seien bis Ende Mai erneut um gut elf Prozent auf 4,7 Mrd. DM zurückgegangen. Der Mietwohnungsbau befinde sich wegen vielfach unzureichender Mieten und der gekürzten Abschreibung auf einer "anscheinend unaufhaltsamen Talfahrt". Von Januar bis Mai seien die Hypothekarkredite für diesen Sektor nochmals um mehr als ein Drittel (34,3 Prozent) auf nur noch 1,5 Mrd. DM geschrumpft. Falls diese Entwicklung anhält, sind nach Ansicht des VDH auf den Mietwohnungsmärkten schon in absehbarer Zeit Engpässe zu erwarten.Als "verfehlt" wies der Hypothekenverband die geplante Senkung der Einkommensgrenzen für die Eigenheimzulage von 120 000/400 000 DM auf 80 000/160 000 DM (Ledige/Verheiratete) ab nächstem Jahr zurück. Damit werde die "Axt an die letzte Stütze des Wohnungsbaus" gelegt. Noch habe die bisher dynamische Nachfrage nach Eigenheimen die Rückgänge bei Eigentumswohnungen und Mietwohnungen wenigstens zum Teil ausgleichen können. Würden die Pläne der Regierung Realität, wäre ein Rückgang des gesamten Wohnungsbaus vorprogrammiert.Der VDH schätzt, daß sich die jährliche Zahl der Zulagenempfänger um ein Drittel vermindern dürfte mit der Folge, daß deutlich weniger Einfamilienhäuser gebaut würden als heute. Immerhin belaufe sich die Eigenheimzulage bei einer Familie mit zwei Kindern während des achtjährigen Förderzeitraums auf insgesamt 64 000 DM.

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