Wirtschaft : Wohnungssanierung im Osten lahmt

BONN (wei).Die kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen in Ostdeutschland haben immer größere Schwierigkeiten, ihre Bestände zu privatisieren.Darauf hat der Präsident des Gesamtverbandes der Wohnungswirtschaft (GdW), Jürgen Steinert, am Donnerstag hingewiesen.Bis Ende 1997 hätten die GdW-Mitgliedsunternehmen 217 100 Wohnungen veräußert, davon 49 700 im vergangen Jahr.Mehr als die Hälfte übernahmen sogenannte Zwischenerwerber, ein Viertel wurde direkt an die Mieter veräußert.Die Privatisierung von 337 900 Einheiten ist die Voraussetzung dafür, daß der Bund einen Teil der Altschulden aus der DDR-Zeit übernimmt.

Durch das Auslaufen der Sonderabschreibung und die ungünstige Wirtschaftslage sei der Erwerb von Wohnungen im Osten Deutschlands weniger attraktiv als früher, sagte Steinert.Selbst Alteigentümer, die einen Antrag auf Rückübertragung ihrer Immobilien gestellt haben, verzichteten immer häufiger auf diesen Anspruch, weil die Objekte wirtschaftlich nicht verwertbar seien.258 400 Wohnungen von GdW-Mitgliedern standen zum Jahreswechsel leer.Der größte Teil der Leerstände ist nach Ansicht des GdW auf Mieterwechsel, Modernisierungsmaßnahmen und darauf zurückzuführen, daß restitutionsbehaftete Wohnungen nur schwer vermietbar sind.Den konjunkturbedingten Leerstand im Osten schätzt der Verband auf 2,8 Prozent, das ist doppelt so hoch wie im Westen.

Hinzu kämen strukturelle Probleme in den Regionen, aus denen ein Teil der Bevölkerung nach der Wende abgewandert ist.In diesen Regionen empfiehlt der GdW "Programme zur Revitalisierung".Sie umfassen neben stadtplanerischen Konzepten und Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes auch den Abriß einzelner Quartiere.Das müsse den Wohnungsgesellschaften dadurch erleichtert werden, daß sie von den restlichen Altschulden, die sich auf 150 DM pro Quadratmeter belaufen, entlastet würden.Steinert begrüßte grundsätzlich, daß die Sonderabschreibungen im ostdeutschen Wohnungsbau im nächsten Jahr durch Zulagen ersetzt werden.Das Investitionszulagengesetz fördere allerdings nur den Neubau und die Modernisierung der Bestände.Ihre Sanierung sei jedoch mindestens so vordringlich, weil an vielen Häusern 70 Jahre lang nichts getan worden sei.Die vorgesehene Zulage von maximal 180 DM pro Quadratmeter sei völlig unzureichend.Die Sanierung älterer Bestände koste mindestens 3000 DM pro Quadratmeter, während der Gesetzgeber mit 1200 DM rechne.Die Sanierung müsse deswegen vom Fiskus wie der Neubau behandelt werden.Dort beträgt die Förderung bis zu 400 DM.Steinert verlangte außerdem die Fortsetzung des KfW-Wohnraum-Modernisierungs-Programms über das Jahresende hinaus.

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