Wirtschaft : Wohnungsverkauf der I.G. Farben droht zu platzen Investor kann notwendiges Kapital nicht aufbringen

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(dpa). Die geplante Auflösung der I.G. Farben droht an einem geplatzten Wohnungsverkauf zu scheitern. Ein Investor, der einen Vertrag über den Kauf von 500 Wohnungen und einer GewerbeImmobilie geschlossen hat, kann das notwendige Kapital wahrscheinlich nicht aufbringen, sagte der Bundestagsabgeordnete Otto Bernhardt (CDU), einer der Liquidatoren des einst größten Chemiekonzerns der Welt, am Donnerstag in Berlin. Dem Vertragspartner bleibe noch eine Frist bis zum Freitagmittag. Sollte der Verkauf nicht zu Stande kommen, gerate die I.G. Farben AG in Abwicklung selbst in finanzielle Schwierigkeiten und müsste am Montag Insolvenz anmelden. „Die Chancen, dass es noch klappt, liegen aus meiner Sicht bei unter 50 Prozent“, sagte Bernhardt.

Ursprünglich sollte die Liquidation der Firma bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Immobilien in Köln, Moers und Bochum sind das einzige noch verbliebene Vermögen des Unternehmens und stehen mit einem Wert von rund 735 Millionen Euro in den Büchern. Für Montag setzten Bernhardt und der zweite Liquidator, der Schweriner Rechtsanwalt Volker Pollehn, unter Vorbehalt eine Pressekonferenz an. Wer der Investor sei, wollte Bernhardt nicht sagen.

Der in der Weimarer Republik entstandene I.G.-Farben-Konzern war während des Dritten Reichs eng mit dem Nazi-Regime verflochten und stellte das Giftgas Zyklon B her, mit dem in den Konzentrationslagern Menschen ermordet wurden. Nach der Zerschlagung durch die Alliierten ging die I.G. Farben teilweise in die Chemie-Konzerne Bayer, BASF und Hoechst (heute Aventis) über. Die Abwicklung hat sich wegen ungeklärter Ansprüche und Prozesse bis heute verzögert. Fast alle der übrig gebliebenen Beteiligungen sind inzwischen abgestoßen worden.

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