World Food Convention : Häuslebauer machen keine Revolution

Bundesagrarminister Christian Schmidt macht Vorschläge, wie eine funktionierende Landwirtschaft Krisen in aller Welt verhindern kann - und greift dafür auf Konrad Adenauer zurück.

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Die Tagesspiegel World Food Convention in Berlin.
Die Tagesspiegel World Food Convention in Berlin.Foto: Mike Wolff

Der Bundesagrarminister bemüht an diesem Donnerstag die Altmeister. Ex-Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) zum Beispiel: „Menschen mit Eigenheimen machen keine Revolution“, wusste der Altkanzler. Und auch auf die Bibel beruft sich Christian Schmidt (CSU), auf den Propheten Jesaja, der „Schwerter zu Pflugscharen“ machen will. Wer den Hunger bekämpft, wer Menschen eine Perspektive gibt, leistet einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung von Fluchtursachen, meint Schmidt. Sein Rezept: Fairer Zugang zu Boden, Wald und Wasser, Saatgut, das Dürre und Hitze aushalten kann und eine nachhaltige Produktion der Landwirtschaft. „Dann kann die Welt Mitte dieses Jahrhunderts auch zehn Milliarden Menschen ernähren“, glaubt der Minister.

Auch EU-Agrarkommissar Phil Hogan setzt auf nachhaltige Landwirtschaft. Die EU könne hier Vorreiter sein, meint der Ire. Aber man müsse die Bauern für ihre Anstrengung auch belohnen. Bauern wie Maria Heubuch. Gemeinsam mit ihrem Mann hält Heubuch Milchkühe, doch seit einigen Jahren hält sie sich mehr in Straßburg auf als im Allgäu. Für die Grünen sitzt die Politikerin im Europaparlament und kämpft für die Kleinbauern in Afrika und Asien, die oft weder Zugang zu den Märkten noch zu Know-How haben. Die Konzentration im Pflanzenschutzmarkt – und damit auch die geplante Übernahme von Monsanto durch Bayer – sieht Heubuch kritisch. „Die sechs größten Konzerne beherrschen 75 Prozent des Marktes für Pestizide und 71 Prozent des Saatgutmarkts.“ Statt die Produktivität zu steigern, fordert die Grüne Verzicht – auch hierzulande. Weniger Energieverbrauch, bessere Lagermöglichkeiten und ein veränderter Konsum würden helfen, die Welt satt zu machen.

Andreas Hensel, Chef des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), und Helmut Schramm von Bayer sehen das anders. Um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, müsse die Technik ihren Beitrag leisten, meint der Leiter des deutschen Pflanzenschutzgeschäfts bei Bayer. Auch Hensel setzt auf Fortschritt und Wissenschaft. Damit die Schwellen- und Entwicklungsländer ihre Produkte exportieren können, müssen sie sicher sein, betont der Wissenschaftler. Daher sei die Schulung vor Ort wichtig. Deutschland hat hier einiges zu bieten. „Bei der Agrarforschung und in der Landmaschinentechnik gehört Deutschland zu den weltweit führenden Nationen“, berichtet der BfR-Chef. Moderne Erkenntnisse hätten sich auch in der Tierhaltung durchgesetzt, hier habe es in Deutschland einen „gewaltigen Innovationsschub“ gegeben, verteidigt Hensel die Bauern. Viele Menschen hätten aber eine romantisierte Sicht. „Die Diskussion um Massentierhaltung ist stark emotionalisiert“, betont der BfR-Chef. So wie die ums Essen und die Rolle der Ernährungsindustrie. „95 Prozent der Unternehmen sind kleine oder mittelständische Betriebe“, betont Verbandssprecher Christoph Minhoff. Die Branche beschäftige 700000 Menschen und stelle 170000 verschiedene Produkte her. „Man kann wählen“, sagt Minhoff.

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