World-Routes-Konferenz : Branche meidet konkrete Zusagen an BER

Die World-Routes-Konferenz ist eine Gelegenheit zur Vermarktung des neuen Berliner Flughafens BER. Die Branche zeigt großes Interesse an dem Airport, will aber wenig neues versprechen.

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Ein Ferienflieger startet in Berlin-Schönefeld in unmittelbarer Nähe zum Tower des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg Willy Brandt, der in acht Monaten eröffnet wird.
Ein Ferienflieger startet in Berlin-Schönefeld in unmittelbarer Nähe zum Tower des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg Willy...Foto: dapd

Flughafenchef Rainer Schwarz ist optimistisch. Mit dem neuen Airport BER Berlin-Brandenburg in Schönefeld habe die Dominanz von Frankfurt und München ein Ende, sagte er am Wochenende zum Auftakt der World-Routes-Konferenz. Der neue Flughafen werde zum Ost-West-Drehkreuz im Herzen Europas. Die Delegierten der Konferenz signalisierten zwar ein großes Interesse, konkrete Zusagen neuer Airlines mit neuen Langstrecken stehen allerdings acht Monate vor der BER-Eröffnung noch aus.

Mit rund 2700 Teilnehmern ist die World Routes in Berlin die größte ihrer siebzehnjährigen Geschichte. 1995 hatte man in Cannes mit 60 Delegierten begonnen. Ausschlaggebend für das große Interesse sind die Attraktivität der Stadt und der Bau des neuen Flughafens, sagt David Stroud vom Veranstalter UBM Aviation. „Das war wie eine Bewerbung für die Olympischen Spiele, unser Glück war, dass die Routes lange nicht in Europa war“, sagte Rainer Schwarz dem Tagesspiegel. Er kündigte an, dass Air Berlin trotz Finanzkrise ihr Drehkreuz in Berlin im kommenden Sommer weiter ausbauen werde. Mit Air Berlins Beitritt zur Airline-Allianz Oneworld habe der neue Flughafen gute Chancen, für deren Mitglieder zum „Drehkreuz im Herzen des neuen Europa zu werden“.

Oneworld-Mitglied Royal Jordanian hat bereits vor einigen Monaten Flüge nach Berlin aufgenommen. „Die Stadt ist für uns eine Top-Destination in Deutschland“, so der Präsident der jordanischen Fluggesellschaft. Sobald die Bundesregierung das Open-Sky-Abkommen zwischen Jordanien und der EU ratifiziert habe, wolle man die Strecke statt dreimal wöchentlich täglich bedienen und in Kooperation mit Air Berlin als Hub für Norddeutschland und Skandinavien nutzen.

Andere Oneworld-Mitglieder tun sich dagegen noch schwer. Dazu gehört die australische Qantas, die ganz oben auf der Wunschliste von Schwarz steht. Deren Vertreter auf der Routes hat die Flughafenbaustelle am Wochenende besichtigt und war beeindruckt. „Es sieht sehr gut aus“, sagte auch Reid Appleby von American Airlines. Er durfte sich den Flughafen bei einem Rundflug mit dem Hubschrauber ansehen und bestätigte, dass man über einen möglichen Anflug Berlins nachdenkt. Entscheidungen sind aber bisher weder in Sydney noch in Dallas gefallen.

Auch die zur konkurrierenden Star Alliance gehörende Lufthansa und ihre Partner lassen sich Zeit. Deren Berlin-Arbeitsgruppe, die ihren Bericht ursprünglich Ende Juni vorlegen sollte, arbeitet dem Vernehmen nach noch immer. Die Airlines aus der Golfregion drängt es dagegen nach Berlin, doch es fehlt die Erweiterung der Verkehrsrechte. „Wir wollen definitiv nach Berlin fliegen“, bekräftigte Ram C. Menen von Emirates (Dubai). Und auch Imed Ben Abdallah von Etihad Airways (Abu Dhabi) bedauerte die restriktive Haltung der Bundesregierung.

Bei den anderen Airlines müssen die Vertreter der Berliner Flughäfen noch eine Menge Überzeugungsarbeit leisten. Die World Routes ist dafür eine ebenso geeignete wie kuriose Plattform. Rund 750 Flughäfen aus aller Herren Länder, zum Teil unterstützt von ihren Tourismusministerien, buhlen um die Gunst von rund 300 Luftverkehrsgesellschaften. Am Montag versammelten sich die Branchenvertreter noch in vier Hallen des Messegeländes am Funkturm. Das Ganze geschieht in Form eines gigantischen Speed-Datings. Die Airline-Vertreter sitzen an blau gedeckten Tischen und erwarten die Abgesandten der Airports, die zuvor Termine vereinbaren mussten. Die Gesprächszeit ist jeweils auf 20 Minuten beschränkt, auf Gongschlag wechseln die Partner. So haben die fünf Mitarbeiter der Berliner Marketingabteilung in zwei Tagen nicht weniger als 100 Meetings, insgesamt finden zwischen den Delegierten rund 15 000 solcher Gespräche statt.

In einer parallelen Ausstellung versuchen diverse Flughäfen zusätzlich Aufsehen zu erregen. So bittet Prag gestresste Besucher zur Rückenmassage. Hannover lässt junge Damen in Röcken mit der Aufschrift „Follow Me“ durch die Hallen flanieren. Chinesinnen führen Tänze aus der Heimat vor, während Texaner mit Cowboyhüten Lassokunststücke zeigen.

Am Stand der Berliner Flughäfen können sich die Delegierten mit einem Buddy-Bären fotografieren lassen und bekommen eine Miniatur als Geschenk. Dazu gibt es Stadt- und Baustellenrundfahrten. „Einmal sehen ist besser als tausendmal hören“, so Visit-Berlin-Geschäftsführer Burkard Kieker. Für den „Networking Evening“ am Montagabend hatte der Flughafen auf dem künftigen Vorfeld des BER extra ein 3000-Personen-Zelt aufgebaut.

Für die Airlines ist die Routes in erster Linie eine Gelegenheit zum Informationsaustausch. Entscheidungen über neue Strecken werden eher im Nachgang getroffen. Farbe bekennen müssen sie auf den zweimal im Jahr stattfindenden Slot-Konferenzen der internationalen Luftverkehrsvereinigung IATA, wo Start- und Landezeiten an den großen Flughäfen verteilt werden. Die für den zum BER-Anflug entscheidende Veranstaltung zum Sommerflugplan 2012 findet vom 17. Bis 19. November in Singapur statt.

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