Wowereit bei der Berliner Wirtschaft : Volles Vertrauen in den Spielertrainer

Seit 13 Jahren ist Klaus Wowereit Regierender Bürgermeister, fünf Mal war er schon beim Business-Frühstück der Berliner Kammern. Am Montag gab es viel warme Worte für Wowereit.

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Nach guten Einvernehmen sehen die Herren nicht aus, doch in der Regel verstehen sich die beiden Kammerpräsidenten Eric Schweitzer (IHK, links) und Stephan Schwarz (Handwerkskammer) bestens mit Klaus Wowereit. Auch am Montagmorgen im Ludwig-Erhard-Haus. Foto:
Nach guten Einvernehmen sehen die Herren nicht aus, doch in der Regel verstehen sich die beiden Kammerpräsidenten Eric Schweitzer...

Zu Gast bei Freunden - unter dieses Fußballmotto (WM 2006) hatte die Berliner Wirtschaft am Montagmorgen das gemeinsame Frühstück im Ludwig-Erhard-Haus gestellt. Gut 400 Teilnehmer kamen auf Einladung von IHK und Handwerkskammer, um überaus freundlich einen alten Bekannten zu begrüßen: Klaus Wowereit, gewissermaßen der „Spielertrainer der Senatsmannschaft“, wie Handwerkskammerpräsident Stephan Schwarz meinte. Eine Trainer, der nun zur Halbzeit der Legislatur mit seiner Truppe in der Kabine beratschlagt, wie man besser werden kann. Die beiden Kammern hatten bereits vor Wochen ihre Halbzeitbilanz unter die Aufforderung „noch eine Schippe drauflegen“ gestellt. Wowereit trauen sie das offenbar zu, denn Schwarz würdigte dessen „großes persönliche Engagement für die Belange der Wirtschaft“.

Mit der Meinung steht er nicht allein, denn als IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder erinnerte, dass genau vor 13 Jahren Wowereit erstmals zum Regierenden Bürgermeister gewählt worden war, klatschte der ganze Saal. Man weiß, was man hat an diesem Wowereit, und ist keineswegs überzeugt von einer Alternative namens Frank Henkel, wie jüngst die Auseinandersetzung um den Aufsichtsrat der Messe Berlin gezeigt hat.

Alle waren sie für die Randbebauung des Tempelhofer Feldes

Die eher freundliche Frühstücksstimmung hatte aber auch einen anderen Grund: Der Saal war gefüllt mit Verlierern, denn sie alle zusammen – Kammern und Verbände, Senat und große Parteien, Gewerkschaften, Wohnungswirtschaft sowie Mieterverein – hatten sich für eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes eingesetzt. „Der Volksentscheid muss uns alle nachdenklich machen“, meinte Wowereit und warf eine Handvoll Fragen auf: „Warum war unser Bündnis so schwach? Wie schafft man Partizipation der Bürger, ohne dass es reine Blockade gibt? Wie setzt man Großprojekte durch? Wo baut man Wohnungen?“ Die Wohnungsbaupolitik ist für den Sozialdemokraten das Instrument für die „Balance zwischen Wachstum der Stadt und sozialem Ausgleich“; das Ziel sind Wohnungen für Einkommensschwache.

Zusätzlich 50000 Einwohner pro Jahr gehe auf Dauer nicht gut, „irgendwann platzt das“, sagte der Regierende und meinte den Wohnungsmarkt. Vielleicht werde sogar eine andere Generation eine andere Entscheidung für das Tempelhofer Feld treffen müssen, orakelte Wowereit und meinte eine deutlich stärkere Wohnnutzung als vom Senat bis zum Volksentscheid vorgesehen. Das wäre dann „eine Ironie des Schicksals“.

Wowereit hat viel mitgemacht, darauf wies IHK-Chef Eder hin. Er sei die „Lichtgestalt“ gewesen, die der Stadt „Glanz verliehen“ habe – bis der Fluch des Flughafens ihn traf. Wie er damit umgehe, dass sich sein Bild in der Öffentlichkeit so dramatisch verändert habe, wollte Eder wissen. Wowereit blieb vage. „Irgendwann“ werde er sich dazu äußern, wie sich „in unserer Gesellschaft etwas verändert hat“, hin zu einer Mentalität, die in denen da oben nur noch „Idioten sehen, die alles falsch machen“.

Hier, bei den Vertretern der Berliner Wirtschaft ist das anders, Kritik gibt es kaum, eher Mitgefühl für den Spielertrainer, der sich ja ein bisschen auch als Trainer der Wirtschaftsleute versteht. „Dann geht mal jetzt schön schaffen, nicht nur frühstücken!“, verabschiedet der Gast seine Zuhörer in den Arbeitstag. Gelächter und Applaus. So mögen sie ihn.

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