WSI-Studie : Migranten sind auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt

Eine WSI-Studie zeigt, dass auch länger in Deutschland lebende Migranten ein höheres Risiko für Arbeitslosigkeit und einer Beschäftigung unter ihrer Qualifikation haben. Schuld seien auch unbewusste Vorurteile der Arbeitgeber.

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Auch bereits länger in Deutschland lebende Migranten finden oft keinen Job.
Auch bereits länger in Deutschland lebende Migranten finden oft keinen Job.Foto: Fotolia

Menschen mit Migrationshintergrund tun sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt besonders schwer. Eine Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass gerade die schon länger in Deutschland lebenden Migranten oft schlechte Chancen auf einen festen Job haben. Auffällig ist dabei, dass es unter Migranten einerseits viele gut ausgebildete Menschen gibt, andererseits der Anteil derjenigen ohne Abschluss deutlich höher ist als bei Einwohnern ohne Migrationshintergrund. „Viele Migranten sind ehemalige Gastarbeiter, die gezielt mit geringer Qualifikation von Deutschland angeworben wurden“, erklärt Jutta Höhne, Co-Autorin der WSI- Studie, diesen Umstand. Die Arbeitslosenquote von Migranten liege insgesamt mit fast zehn Prozent deutlich höher als beim Rest der Bevölkerung.

Zeugnisse aus dem Herkunftsland werden in Deutschland oft nicht anerkannt

Oft werde die Arbeitssuche erschwert, weil Zeugnisse aus dem Herkunftsland nicht anerkannt werden. Auch deshalb müssten viele Migranten Jobs annehmen, für die sie eigentlich überqualifiziert seien. Problematisch sei auch der Mangel an Kenntnissen, die man nur in Deutschland erwerben kann. „Ein zugewanderter Facharbeiter für Elektrotechnik kann sein Handwerk gut beherrschen, er muss trotzdem die in Deutschland geltenden einschlägigen DIN-Normen lernen“, sagte Höhne am Mittwoch.

Grundsätzlich hätten Fachkräfte natürlich bessere Integrationsmöglichkeiten als schlecht ausgebildete Arbeitssuchende, für die nach Einschätzung der WSI-Wissenschaftlerin mehr getan werden muss. „Viele kommen aus Ländern, in denen es solche Qualifizierungen gar nicht gibt, das heißt aber nicht, dass diese Menschen kein Potential hätten.“ Kurse, in denen dieses Potential identifiziert und dann darauf aufgebaut wird, könnten ein Ansatz sein.

Auf dem Arbeitsmarkt werden Migranten diskriminiert

Erschwerend komme hinzu, dass Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden. Studien belegen, dass von zwei Bewerbern gleicher Qualifikation derjenige mit deutschem Namen eher zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird. „Unbewusste Vorurteile“, nennt die Charta der Vielfalt dieses Problem. Die 2006 ins Leben gerufene Unternehmensinitiative hat dem Phänomen der „Unconscious Bias“ aktuell ein Dossier gewidmet. Es soll Unternehmen Tipps geben, alte Stereotype abzuschaffen. Inzwischen haben die Charta über 2200 Unternehmen unterzeichnet, die sich gegen diese Art der Diskriminierung bekennen wollen.

In der Politik ist man sich einig, dass Menschen mit Migrationshintergrund schneller einen Job finden sollen. Es dürften aber nicht nur die „Neuen“ gefördert werden, mahnt WSI-Wissenschaftlerin Höhne. „Die Aufmerksamkeit muss auf die Unterstützung der bereits seit Langem in Deutschland lebenden Migranten ohne Beruf gerichtet werden, etwa durch Nachschulungen.“

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