Wirtschaft : WTO kann sich nicht auf Ruggieros Nachfolger einigen

GENF (rtr).Der Streit um die Nachfolge von Renato Ruggiero an der Spitze der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf verhärtet sich.Nachdem sich die Delegierten der 134 WTO-Mitgliedsstaaten am Wochenende nicht auf einen Kandidaten für den Posten des Generaldirektors bei der Handelsorganisation hatten einigen können, wurde auch am Montag ein Treffen des Generalrates wieder abgesagt.Die beiden Kandidaten, der ehemalige Ministerpräsident Neuseelands, Mike Moore, und der stellvertretende Ministerpräsident Thailands, Supachai Panitchpakdi, erklärten, sie hielten an ihrer Kandidatur fest.Die vierjährige Amtszeit Ruggieros hatte am vergangenen Freitag geendet."Wir werden uns nicht zurückziehen", erklärte Supachai nach einem Treffen mit Delegierten der ihn unterstützenden Länder.Moore sagte, auch er werde an seiner Kandidatur festhalten."Ich glaube wir sind stärker als zuvor", fügte er hinzu.

Der Streit um die beiden Kandidaten war entbrannt, nachdem der turnusmäßige Vorsitzende der Organisation, der Tansanier Ali Mchumo am vergangenen Freitag eine Empfehlung für den von den USA favorisierten neuseeländischen Kandidaten ausgesprochen hatte.

Ein WTO-Vertreter hatte am Wochende von zunehmend bissigen Verhandlungen gesprochen, in denen beide Seiten der jeweils anderen böse Absichten unterstellt hätten.Die Stimmung bei den Gesprächen wurde als "gereizt, spannungsgeladen und nicht sehr erfreulich" beschrieben.Ein europäischer Diplomat hatte auf die Frage, in welche Richtung sich die Verhandlungen bewegten, erklärt: "In keine Richtung."

Bei der seit vier Jahren bestehenden WTO wurden bislang alle Entscheidungen in gegenseitigem Einvernehmen getroffen.Die Unterstützer des thailändischen Kandidaten ließen aber durchblicken, daß sie es bei der Entscheidung über die Besetzung des Generaldirektors erstmals auf eine Wahl durch die Delegierten ankommen lassen wollten.Neuseeland und Thailand stellten sich am Montag hinter ihre jeweiligen Kandidaten.Die Regierung in Neuseeland erklärte, Supachai solle seine Kandidatur zurückziehen.Die Mehrheit der WTO-Länder stehe hinter Moore.Thailands Ministerpräsident Bhichai Rattakul erklärte dagegen, Supachai werde seine Kandidatur nicht zurückziehen.80 WTO-Mitglieder stünden hinter ihm."Wer immer die meiste Unterstützung erhält, sollte gewählt werden", fügte er hinzu.Die WTO-Personalie könnte auch bei dem Treffen von US-Präsident Bill Clinton und dem japanischen Ministerpräsidenten Keizo Obuchi zur Sprache kommen.Japan favorisiert den thailändischen Kandidaten.

"Mit derart verhärteten Fronten, kann ich wirklich nicht sehen, wie überhaupt einer der beiden Kandidaten den Job übernehmen könnte", sagte ein Delegierter in Genf.

Die WTO muß sich in den kommenden Monaten auf ein im November in Seattle geplantes Ministertreffen vorbereiten, von dem eine neue Verhandlungsrunde über weltweite Handelsliberalisierungen ausgehen soll.Dem WTO-Generaldirektor kommt dabei eine wichtige Rolle als Mittler zwischen den Interessen der Mitgliedsländer zu.

Die WTO wurde 1995 als Nachfolgerin des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (Gatt) gegründet.Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs wegen der immer engeren internationalen Wirtschaftsverflechtungen das Bedürfnis nach Regeln für grenzüberschreitenden Güteraustausch und Investitionen.1947 wurde deshalb das Gatt mit dem Ziel gegründet, den Welthandel von Wettbewerbsverzerrungen wie Zöllen und Subventionen zu befreien.Damals waren es 23 Staaten, die das Gatt am 1.Januar 1948 in Kraft setzten.

Sitz der Organisation ist Genf.Zu den Hauptaufgaben der WTO zählen die Überwachung der anerkannten Handelsregeln, Einberufung und Moderation von Handelsgesprächen, Schiedssprüche bei Handelskonflikten, die Unterstützung von Entwicklungsländern bei der Umsetzung der WTO-Regeln und die Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen.Die WTO-Regeln fußen auf einigen Grundprinzipien: Nichtdiskriminierung ausländischer Handelspartner, Abbau von protektionistischen Maßnahmen wie Zöllen und Subventionen sowie möglichst freier Handel und Wettbewerb bei Ausnahmen für noch nicht so wettbewerbsfähige Entwicklungsländer.

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