Wirtschaft : Würstchen

Was der Schweinezyklus mit dem Preis der Wiener zu tun hat

Nicole Heissmann

PREIS DER WOCHE

Es ist wohl so etwas wie der letzte Akt der Bescheidenheit vor der großen Bescherung: In vielen Familien kommen am Heiligen Abend traditionell heiße Würstchen und Kartoffelsalat auf den Tisch. In diesem Jahr sind die Bockwürste, Wiener oder Knacker sogar etwas günstiger als im Vorjahr: 5,81 Euro kostete das Kilo Würstchen im Geschäft, haben die Statistiker ausgerechnet. Im Vorjahr waren es noch durchschnittlich 6,03 Euro pro Kilo Würstchen.

Dass Würstchen billiger geworden sind, liegt zum einen am billigeren Fleisch, das zum größten Teil vom Schwein kommt. „Der Preis der Wurst hängt stark vom Schweinefleischpreis am Markt ab“, sagt Thomas Vogelsang, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie. Die Preise für Schlachtschweine, die an der Terminbörse ausgehandelt werden, schwanken stark: Wenn eine vermehrte Nachfrage die Preise steigen lässt, mästen die Schweinezüchter mehr Ferkel. Nach der Schlachtung lässt das größere Angebot an Fleisch die Preise auf dem Markt wieder einbrechen. Der „Schweinezyklus“ wurde als fester Begriff für dieses Auf und Ab der Preise in die Wirtschaftstheorie übernommen.

Die gängigste Sorte Schlachtschweine sind so genannte „E-Schweine“. Bei dieser Klasse muss der Anteil von Muskelfleisch zu Fett 55 Prozent betragen. Die „E-Klasse“ kostete für die Schlachtereien im Dezember 2001 noch 1,38 Euro je Kilo Schlachtgewicht, im Dezember dieses Jahres nur 1,23 Euro. Ein wichtiger Grund für den niedrigeren Preis liegt darin, dass die BSE-Krise in den Augen der Verbraucher überwunden ist, die einige Monate lang die Preise für Rind- und Kalbfleisch gedrückt hatte. Inzwischen haben diese Fleischsorten das Verbrauchervertrauen zurückgewonnen. Das geht teilweise zu Lasten vom Schweinefleisch: Die gesunkene Nachfrage hat die Preise gedrückt.

Aber auch das veränderte Einkaufsverhalten der Verbraucher hat dazu geführt, dass weniger Geld pro Kilo Wüstchen gezahlt wird: Immer häufiger kaufen preisbewusste Kunden ihre Wurst in Verbrauchermärkten und bei Discountern ein. Seit längerem geht der Trend weg von den Bedienungstheken der Fachgeschäfte hin zu abgepackter Wurst aus dem Selbstbedienungsregal – und die ist in der Regel billiger. Foto: adolph press

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