Wirtschaft : Wulff, die Pogrome und die Manager

Berlin - Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat mit einem Vergleich zwischen der Kritik an Managern und der Judenverfolgung im Dritten Reich für Empörung gesorgt. „Ich finde, wenn jemand zehntausend Jobs sichert und Millionen an Steuern zahlt, gegen den darf man keine Pogromstimmung verbreiten“, sagte Wulff am Donnerstagabend in der N24-Sendung „Studio Friedman“. Am Freitag entschuldigte sich der Politiker für die Äußerung. „Die Verwendung des Wortes Pogromstimmung bedauere ich“, sagte er zwei Tage vor dem 70. Jahrestag der Pogrome gegen deutsche Juden.

Vergangene Woche hatte bereits Hans-Werner Sinn, der Präsident des Ifo-Instituts, in einem Tagesspiegel- Interview einen ähnlichen Vergleich gezogen. Er hatte die Kritik an den Managern im Zug der Finanzkrise mit den Vorurteilen gegenüber Juden zur Zeit der Weltwirtschaftskrise verglichen.

„Nichts kann und darf mit der Judenverfolgung und den schrecklichen Pogromen gegen die Juden verglichen werden“, sagte Wulff nun. Eine generalisierende Stimmungsmache gegen hohe Gehälter in der Wirtschaft sei allerdings falsch. Der Zentralrat der Juden in Deutschland legte dem Regierungschef dennoch den Rücktritt nahe. „Wulff sollte sich fragen, ob er für sein Amt geeignet ist“, sagte Generalsekretär Stephan Kramer. Er nehme die Entschuldigung Wulffs nicht an. „Ich würde mir wünschen, die Juden hätten 1938 das Schicksal vor sich gehabt, das heute die Manager in Deutschland erwartet.“

Bereits in der Sendung mit dem Titel „Ist Deutschland noch gerecht?“ hatte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast, die mitdiskutierte, Wulff auf den Vergleich aufmerksam gemacht. Er reagierte auf ihren Einwurf „falsches Beispiel“ aber nicht. Auch auf Nachfrage des Moderators und früheren Vizechefs des Zentralrats, Michel Friedman, relativierte Wulff seine Äußerung nicht. dpa/brö

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