• Wulff freut sich auf Rücktritt von Hartz Konzernchef Pischetsrieder: Die Anwürfe haben ein Ausmaß angenommen, das nicht zu tolerieren ist

Wirtschaft : Wulff freut sich auf Rücktritt von Hartz Konzernchef Pischetsrieder: Die Anwürfe haben ein Ausmaß angenommen, das nicht zu tolerieren ist

Alfons Frese

Berlin - Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat das Rücktrittsangebot von VW-Personalvorstand Peter Hartz begrüßt. „Ich bin für die Annahme des Rücktrittsgesuches mit sofortigerWirkung“, erklärte Wulff, der selbst im VW-Aufsichtsrat sitzt, am Freitag in Hannover. Außerdem erwarte er, dass der ehemalige VW-Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert „durch die Niederlegung seines Mandats im Aufsichtsrat die Arbeitsfähigkeit des Gremiums unverzüglich sicherstellt“. Wulf vertritt das Land Niedersachsen, das der größte Aktionär von VW ist, im Aufsichtsrat.

Im Zusammenhang mit der VW-Korruptionsaffäre hatte Hartz dem Aufsichtsrat am Freitag seinen Rücktritt angeboten. Hartz übernehme „die politische Verantwortung für die Unregelmäßigkeiten“ einzelner Mitarbeiter, hieß es in einer VW-Mitteilung. „Die Spekulationen und Anwürfe haben ein Ausmaß erreicht, das im Hinblick auf das Image unseres Unternehmens, unserer Produkte und unserer Mitarbeiter nicht tolerierbar ist“, sagte der Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder. Wann der Aufsichtsrat über das Rücktrittsangebot entscheidet, ist noch offen. Die nächste reguläre Sitzung des Gremiums ist erst im September. Von der neuesten Entwicklung in Wolfsburg profitierte die VW-Aktie, deren Kurs sich am Freitag um mehr als zwei Prozent verbesserte.

In einer persönlichen Erklärung von Hartz hieß es, es gehe ihm „um die Reputation von Volkswagen, der ich mich besonders verpflichtet fühle. Um weiteren Schaden vom Unternehmen abzuwenden, habe ich daher heute dem Aufsichtsrat meinen Rücktritt angeboten“. Jürgen Peters, erster Vorsitzender der IG Metall und stellvertretender Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats würdigte Hartz, der für „das gesamte Land Niedersachsen entscheidend dazu beigetragen hat, Arbeitsplätze zu sichern und neue aufzubauen“. Dass er dem Aufsichtsratsvorsitzenden seine Funktion angeboten habe, „zeigt, dass er weiteren Schaden vom Unternehmen fernhalten will“. Der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch hatte erst vor wenigen Tagen gesagt, Hartz bleibe Personalvorstand. Am Freitag äußerte sich Piëch nicht. IG-Metall-Chef Peters beendete seine Stellungnahme über Hartz mit den Worten: „Sollten sich Tatsachen ergeben, die ein persönliches Fehlverhalten zeigen, dann muss er dafür gerade stehen.“

Hartz war wegen seiner engen Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat in die Kritik geraten. Dabei ging es um angeblich nicht kontrollierte Reiseetats der Arbeitnehmervertretung und die Finanzierung von Prostituierten und Luxusreisen. Betriebsratschef Klaus Volkert war in Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen gegen den früheren Skoda-Personalchef Helmuth Schuster vor gut einer Woche zurückgetreten. Nach derzeitigem Informationsstand steht Hartz mit der eigentlichen Schmiergeld-Affäre nicht in Verbindung.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schuster und einen seiner früheren Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Sie sollen ein Geflecht aus Tarnfirmen in Indien, Angola, Tschechien, Luxemburg und der Schweiz aufgebaut haben. „In den zurückliegenden Wochen ist der Konzern durch das Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter auf eine unerträgliche Art und Weise in die Schlagzeilen geraten“, klagte Konzernchef Pischetsrieder in der schriftlichen Erklärung. Er kündigte „eine lückenlose und zügige Aufklärung“ und Konsequenzen „ohne Rücksicht auf Ämter und Personen“ an. Wegen angeblicher Schmiergeldforderungen Schusters im Zuge des geplanten Baus einer VW-Autofabrik in Indien hatte Pischetsrieder die dortigen Pläne vorerst auf Eis gelegt.

Hartz war seit 1993 Personalvorstand bei VW. Er war maßgeblich an wichtigen tarifpolitischen Abschlüssen bei dem Autobauer beteiligt. Bei VW galt er zusammen mit Volkert als eine der Säulen für das „System VW“ – die enge Zusammenarbeit von Betriebsrat, Gewerkschaft und Vorstand. Der Name des 63-Jährigen ist darüber hinaus mit der Sozialpolitik der rot-grünen Bundesregierung verbunden. Hartz leitete die Kommission, die im Auftrag des Bundeskanzlers Vorschläge zur Reform der Bundesanstalt für Arbeit und der Arbeitsmarktpolitik entwickelte. IG-Metall-Chef Peters äußerte sein Bedauern, „dass ein Mann wie Peter Hartz unter diesen Umständen seine Funktion zur Verfügung stellt“. mit dpa

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