Wirtschaft : Yahoo streicht jede zehnte Stelle

Firmen schalten weniger Werbung online. Beim Internetkonzern bricht der Gewinn ein

Corinna Visser

Berlin - Die Unternehmen halten sich in der Wirtschaftsflaute mit Werbeausgaben zurück. Das bekommt der US-Internetkonzern Yahoo deutlich zu spüren. Der Gewinn brach im dritten Quartal um fast zwei Drittel auf 54,3 Millionen Dollar (40,4 Millionen Euro) ein. Der Umsatz legte nur leicht auf 1,79 Milliarden Dollar zu. Besonders Firmen aus der Reisebranche und dem Einzelhandel kündigten ihre Verträge. Yahoo-Chef Jerry Yang kündigte an, dass er Kosten reduzieren und die Produktivität steigern will, um das Unternehmen wieder fit zu machen. Dem Sparprogramm fallen zehn Prozent der weltweit rund 15 000 Stellen zum Opfer. Wie viele Stellen in Deutschland am Sitz in München und den Verkaufsbüros in Hamburg und Düsseldorf betroffen sein könnten, dazu wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Die Börse hatte mit noch schlimmeren Auswirkungen der Flaute auf die Ergebnisse von Yahoo gerechnet. Die Aktie legte daher in New York zu Handelsbeginn um 5,2 Prozent auf 12,70 Dollar zu.

Yahoos wichtigstes Geschäft sind Werbeeinnahmen bei der Internetsuche. Yang hob hervor, dass sein Konzern zumindest Marktanteile gewinne. „Es ist ermutigend, dass diejenigen, die noch Geld für Werbung ausgeben, es bei Yahoo ausgeben“, sagte er. Auf den Rest des Jahres blickt Yang jedoch eher skeptisch. Yahoo prognostiziert für das vierte Quartal Umsatzerlöse zwischen 1,8 und knapp 2 Milliarden Dollar und damit allenfalls einen geringen Anstieg zum Vorjahr.

Bereits Anfang 2008 hatte das Unternehmen aus dem Silicon Valley 1000 Arbeitsplätze abgebaut. Sollte sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern, will Yahoo zur Kostenersparnis 2009 auch noch mehr Stellen streichen. Besonders in Ländern mit hohen Lohnkosten sollen Arbeitsplätze wegfallen – dagegen stellt der Konzern in Osteuropa, Indien und Südostasien fleißig Mitarbeiter ein.

Besser schlägt sich Yahoos Rivale und Branchenführer Google. Trotz aller Konjunktursorgen hat Google seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal überraschend deutlich gesteigert. Yahoo will bei der Onlinewerbung zum Teil mit Google kooperieren. Doch die Gespräche mit den Wettbewerbshütern laufen noch. Die angepeilte Kooperation mit Google und die Abwehrschlacht gegen den Softwarekonzern Microsoft kosteten Yahoo allein im dritten Quartal 36 Millionen Dollar für Beratung und Rechtsbeistand. Microsoft wollte Google mit dem Kauf von Yahoo herausfordern. Doch Yahoo lehnte Microsofts Angebot von 33 Dollar je Yahoo-Aktie ab.

Analysten erwarten harte Zeiten für den Onlinewerbemarkt. Firmen streichen in der Krise ihre Werbebudgets zusammen, Verbraucher halten sich beim Konsum zurück. „Wir können kein Geschäftsmodell erkennen, das sich auf Anzeigen und Konsumverhalten stützt, das gegen den Abschwung immun ist“, sagt UBS-Analyst Ben Schachter.

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