Wirtschaft : Yen läßt Asiens Börsen wieder abstürzen

TOKIO (AFP/dpa).Zum zweiten Mal binnen drei Tagen hat der japanische Yen die Aktien- und Devisenmärkte in Südostasien am Mittwoch in einen Abwärtsstrudel gerissen.Nachdem auf einer Konferenz der sieben führenden Industriestaaten (G-7) in Paris keine konkreten Schritte zur Stützung der japanischen Währung vereinbart worden waren, verlor der Yen weiter an Wert.Am Montag hatte er bereits die psychologisch wichtige Marke von 140 zum US-Dollar durchbrochen.Erstmals wurden auch Australien und Neuseeland mit voller Wucht von der Asienkrise erfaßt.Der australische Dollar fiel mit 58,45 Cent auf den niedrigsten Stand zum US-Dollar seit zwölf Jahren.Der Neuseeland-Dollar rutschte erstmals seit elf Jahren unter 50 Cent.

Die Börsen in Hongkong, Südkorea, Singapur, Taiwan und Malaysia brachen am Mittwoch weiter ein.Die Börse in Bangkok fiel auf ein Zehnjahrestief.Neben dem Yen verloren auch die übrigen Währungen der Region gegenüber dem US-Dollar an Boden.Japan als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt droht damit, die ohnehin trudelnde Wirtschaft der südostasiatischen Länder weiter in die Krise zu treiben.

Der Yen wurde am Mittwoch zeitweise mit über 142 Yen zum US-Dollar gehandelt, erholte sich aber wieder leicht.Finanzminister Hikaru Matsunaga erklärte, er sei "sehr besorgt" über das Durchbrechen der 140-Marke.Die Regierung werde, "wenn nötig", entschlossen handeln.Tokio hofft, die Wirtschaft mit einem Konjunkturpaket von über 220 Mrd.DM und durch gesteigerte Exporte infolge der Yen-Schwäche wiederzubeleben, Experten erwarten aber keinen dauerhaften Effekt.Die am Freitag anstehende Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten dürfte zeigen, daß Japan längst in die Rezession geschlittert ist.Börsenhändler erwarten einen weiteren Verfall des Yen.

Der Nikkei-Index der Tokioter Börse gab am Mittwoch um 1,2 Prozent auf 15 339,26 Punkte nach.Die Börse in Thailand fiel um 5,2 Prozent auf ein Zehnjahrestief, in Hongkong ging der Aktienindex nach 2,3 Prozent am Vortag um weitere 4,9 Prozent zurück, in Südkorea um 4,3 Prozent.Die Börse in Singapur verlor 4,5 Prozent, in Malaysia 3,1 Prozent und in Taiwan 3,1 Prozent.



Die Börse in Indonesien kam mit einem Minus von 0,7 Prozent davon.Dagegen verlor die Landeswährung Rupiah drastisch an Wert und näherte sich der psychologisch wichtigen Grenze von 13 000 zum US-Dollar an.Sie schloß bei 12 900 nach einem Vortagesstand von 11 800.Auch in den anderen Ländern Südostasiens hielt der Sturm auf den US-Dollar an.Der Singapur-Dollar fiel von 1,7080 auf 1,7265 zum US-Dollar, der malaysische Ringgit verschlechterte sich von 3,9450 auf 3,9739.Der thailändische Baht, dessen Freigabe vor einem Jahr die Finanzkrise in der Region angestoßen hatte, fiel von 42,90 auf 43,15 zum US-Dollar.

Der Druck auf China, seine an den US-Dollar gekoppelte Währung Yuan abzuwerten, nahm weiter zu.Die Pekinger Führung räumte inzwischen ein, daß die Finanzkrise der übrigen Länder den Export chinesischer Waren erschwert.Derzeit ist China der letzte Anker wirtschaftlicher Stabilität in der Region.

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