Wirtschaft : Yen-Schwäche alarmiert Finanzwelt

TOKIO/SINGAPUR (dpa/AFP).Der dramatische Kursverfall des japanischen Yen konnte auch am Donnerstag nicht gestoppt werden und drückte erneut auf die Aktien- und Devisenmärkte in Asien.Viele Börsen nicht nur in Südostasien, sondern auch in Europa und Lateinamerika erlitten Verluste.Die Börse in Frankfurt (Main) blieb wegen des Feiertags geschlossen.China appellierte eindringlich an Tokio, eine weiteres Abrutschen des Yen zu verhindern, konnte Befürchtungen über eine Abwertung der eigenen Währung jedoch nicht zerstreuen.

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn nannte die Situation besorgniserregend.Es werde jedoch "zunächst keine konzertierte Aktion beim Yen geben"."Ein Dollar zu 140 Yen ist zweifelsohne zu stark", sagte er in Paris nach Abschluß eines G-7-Treffens.Vor allem für China könnten sich daraus Probleme für die eigene Währung ergeben.

Weltbankpräsident James Wolfensohn hatte zuvor Japan aufgefordert, das Vertrauen in seine Wirtschaft wiederherzustellen.Japan verfüge über alles Notwendige, um die Lage wieder ins richtige Lot zu bringen, und müsse nur entschieden handeln.

In Tokio notierte der Dollar am Donnerstag abend mit 141,67 Yen abermals schwächer nach 140,83 Yen am Mittwoch.Zwischenzeitlich wurden Dollarkurse über 142 Yen gesehen, so hoch wie zuletzt im September 1990.An der Börse in Tokio fiel der Nikkei-Index erneut um 2,1 Prozent oder 325,22 Punkte auf 15 014,04.In Hongkong verbuchte der Hang-Seng-Index ein Minus von 93,30 Punkten oder 1,2 Prozent auf 7886,07.Am Vortag war er um 4,5 Prozent abgestürzt und auf den niedrigsten Stand seit 1995 gefallen.Seit Jahresbeginn beträgt der Verlust schon 27 Prozent.Im Mittelpunkt steht in der früheren britischen Kronkolonie die Furcht vor einer Abwertung des chinesischen Yuan, die die feste Dollarbindung der Hongkong-Währung gefährden und eine neue Abwertungsrunde in der ganzen Region einleiten könnte.

Singapurs Börse, die am Mittwoch den tiefsten Stand seit neun Jahren erreicht hatte, konnte sich am Donnerstag leicht um 19,02 Punkte auf 1086,83 erholen.Händler rechneten für die kommenden Tage jedoch mit neuen Verlusten.Auch Seoul konnte sich leicht verbessern.Schwere Einbußen von fast fünf Prozent verbuchte dagegen Manila.Auch Bangkok und Kuala Lumpur gaben nach.Die asiatischen Währungen blieben weiter unter Druck.Vor allem die indonesische Rupiah fiel zeitweise auf 15 000 zum Dollar und wurde am Abend bei 13 150 notiert.Der Australische Dollar fiel auf den tiefsten Stand seit 1986.

"Natürlich gibt es etwas Bedenken über ein Antreiben des Dollar auf solche Höhen", sagte ein Händler in Tokio.Da es aber keinerlei konkrete Schritte zur Stützung des Yen gebe, nehme der Markt den schwachen Yen inzwischen als normal zur Kenntnis.Außerdem habe es beim Treffen der G-7-Vize-Finanzminister in Paris keine Anzeichen für eine Yen-Stützung gegeben.

China hat Japan am Donnerstag mit deutlichen Worten ermahnt, eine weitere Abwertung des Yen zu verhindern.Angesichts des Einflusses der japanischen Wirtschaft in Ostasien und dem Rest der Welt sei Peking sehr besorgt, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Zhu Bangzao.Die Abwertung sei der Stabilisierung der Finanzmärkte in Ostasien nicht förderlich."Wir hoffen, daß sich Japan und andere betroffene Staaten der Realität stellen, die Zusammenarbeit verstärken und wirksame und konkrete Maßnahmen ergreifen, um eine weitere Abwertung des japanischen Yen zu verhindern." Dies sei auch im Interesse Japans und anderer betroffener Staaten, sagte der Sprecher.Pekings Position, die eigene Währung nicht abzuwerten, habe sich auch unter den neuen Umständen nicht verändert.

Unterdessen gestand ein Manager der japanischen Zentralbank ein, Schmiergelder angenommen zu haben.Dafür habe er aber keine Gegenleistung erbracht, sagte der 42jährige Yasuyuki Yoshizawa vor einem Gericht in Tokio.Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von verschiedenen Banken Geschenke im Wert von umgerechnet 55 000 DM im Gegenzug für Informationen über die Bankenaufsicht angenommen zu haben.

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