Wirtschaft : Zähes Ringen um Anerkennung und eine geregelte Berufsausbildung

pet

Mit den Männern hatte Carola Zarth nie Probleme: "Mein Vater hat mich von Anfang an überall hin mitgenommen", sagt die 34-jährige Unternehmerin. "Ich bin da quasi hineingewachsen." Vor acht Jahren hat die gelernte Kfz-Betriebswirtin die Auto-Werkstatt ihres Vaters in Charlottenburg geerbt, seitdem leitet sie den Betrieb, in dem zehn Mitarbeiter arbeiten. Zu ihren Angestellten zählt auch ihr Ehemann, ein gelernter Kfz-Schlosser. Doch die junge Unternehmerin weiss, dass sie eine Ausnahme ist. "Das größte Problem für Frauen ist die Anerkennung durch die Innung", weiß die Mutter einer dreijährigen Tochter, "die Männer dort sind sehr konservativ."

Carola Zarth ist auch Berliner Vorsitzende "Unternehmerfrauen im Handwerk e.V.", der sich noch bis morgen in Berlin zur Bundesverbandstagung trifft. Dabei soll auch die "Meisterfrau 1999" gekürt werden (siehe nebenstehender Artikel). Der Titel "Unternehmerfrauen" ist dabei etwas irreführend, denn 90 Prozent der bundesweit 9000 Mitglieder, davon 50 in Berlin, sind Ehefrauen von selbständigen Handwerkern. Nur eine Minderheit von zehn Prozent leitet selbst ein Handwerksunternehmen.

90 Prozent der Unternehmer-Ehefrauen verbindet ein Problem: Sie haben ihren erlernten Beruf aufgegeben, um in Tischlerei oder Malerbetrieb des Mannes mitzuarbeiten. Die notwendigen kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Kenntnisse haben sich die meisten mühsam selbst beigebracht. Das soll sich ändern. "Wir brauchen eine geregelte Berufsausbildung mit einem anerkannten Abschluss", fordert die Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen, Annegret Sanders. Der Abschluss sei wichtig, denn "wenn der Mann stirbt oder im Fall einer Scheidung stehen wir vor dem Nichts." Ansätze zu einer geregelten Berufsausbildung gibt es bisher nur in Bayern und Baden-Württemberg: In einem Pilotprojekt haben gerade 40 Unternehmer-Ehefrauen den Titel "Fachwirtin für kaufmännische Betriebsführung" erworben.

Probleme gibt es auch bei den Arbeitsverträgen. Obwohl inzwischen zwei Drittel der Unternehmerfrauen nach Angaben des Verbandes einen Arbeitsvertrag haben, ist Dänemark noch immer das einzige europäische Land, in dem die Ehefrau eines Selbständigen alle Risiken einschließlich Arbeitslosigkeit versichern kann. Ihre deutschen Kolleginnen müssen noch um Anerkennung kämpfen. Im März haben sie ihre eigene Zeitschrift gegründet, seit Juni sind sie unter www.unternehmerfrauen.de auch im Internet vertreten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben