Wirtschaft : Zahl der Azubis geht zurück

Wirtschaft bricht Versprechen – IG Metall fordert Zwangsabgabe

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Berlin (dpa/Tsp). Die Wirtschaft hat auch 2003 entgegen ihrer Zusage weniger Auszubildende eingestellt als im Jahr zuvor. Damit sank die Zahl der neuen Vertragsabschlüsse bereits das vierte Jahr infolge. Dies geht aus der am Freitag vorgelegten amtlichen Vertragszählung durch das Bundesinstitut für Berufsbildung hervor. 560 134 Verträge zum Stichtag 30. September bedeuteten einen Rückgang von 12 189 oder 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Handwerk wird es bis zum Jahresende mehr als 170000 neue Lehrverträge geben. Die Vorjahreszahl von 177000 werde allerdings nicht erreicht, sagte Handwerkspräsident Dieter Philipp.

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte, der andauernde Rückgang lasse sich nicht allein mit der Konjunkturlage erklären. Sie warnte die Wirtschaft eindringlich davor, aus der betrieblichen Berufsausbildung auszusteigen. Bulmahn: „Wir werden die Wirtschaft nicht aus ihrer Pflicht zur Ausbildung entlassen.“ Nach Ansicht der IG Metall zeigt die negative Bilanz, dass die Forderung der SPDFraktion nach einer Lehrstellenabgabe richtig ist.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände sprach dagegen von einer „positiven Bilanz“. Trotz der schlechten Wirtschaftslage und einem Höchststand an Insolvenzen sei es gelungen, weit mehr als einer halben Million Jugendlichen einen Ausbildungsvertrag zu geben. Die Diskussion über eine Zwangsabgabe müsse „jetzt endgültig beendet werden“. Auch das Kuratorium der Deutschen Wirtschaft für Ausbildung wandte sich gegen eine Abgabe .

Nach Angaben von Bulmahn ist es den Arbeitsämtern in Zusammenarbeit mit den Kammern gelungen, seit Ende September die Zahl der 35 015 unvermittelten Jugendlichen durch Nachvermittlung „spürbar zu reduzieren“ – bundesweit auf 21 281. Auch die Bundesregierung habe kurzfristig über staatlich finanzierte Förderprogramme weitere 5000 Qualifizierungsangebote bereitgestellt. Nach der jüngsten Statistik der Bundesanstalt für Arbeit gab es jedoch Ende November in den West-Bundesländern noch immer 14 314 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz, in den Ost-Ländern 6967.

Die bildungspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Katherina Reiche, forderte auch ein-, zwei- und dreijährige Ausbildungsberufe, um die Lehre den unterschiedlichen Begabungen anzupassen.

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