Wirtschaft : Zahl der Pleiten steigt auf Rekordhoch

Vor allem kleine und mittlere Firmen betroffen

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Wiesbaden (dpa). Die Pleitewelle rollt in Deutschland trotz erster Anzeichen einer konjunkturellen Erholung ungebremst weiter und steuert einen Rekord an. Allein im ersten Halbjahr 2003 mussten 19953 Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht antreten, 9,1 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Vor allem kleinere und mittlere Firmen gerieten in finanzielle Schieflage, berichtete das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden. Ende des Jahres wird ein Höchststand von 40000 bis 45000 Unternehmensinsolvenzen erwartet.

Bislang waren durch die Pleiten 110000 Arbeitnehmer betroffen. Dies waren weniger als in der 1. Jahreshälfte 2002 mit 133000 Stellen, als Großpleiten wie Holzmann oder Kirch Schlagzeilen machten. Die offenen Forderungen von Gläubigern der Pleitebetriebe summierten sich in den ersten sechs Monaten auf 16,3 (Vorjahreszeit 19,5) Milliarden Euro. Dies deute darauf hin, dass die betroffenen Betriebe „wirtschaftlich unbedeutender“ seien, teilten die Statistiker mit. Bekannteste Beispiele kleinerer und mittlerer Unternehmen, die Insolvenz anmelden mussten, waren Grundig, Urban, Mauser und Wienerwald oder GoldZack.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform prognostiziert für das Gesamtjahr 40000 bis 42000 Firmenzusammenbrüche. Die HypoVereinsbank geht sogar von 45000 Fällen aus. Sollte sich die wirtschaftliche Situation 2004 nicht spürbar aufhellen, sei ein weiterer Anstieg der Pleiten absehbar, warnt der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen schnellte in der 1. Jahreshälfte sogar um 70,4 Prozent auf 15667 nach oben. Insgesamt ist damit die Zahl der Insolvenzen um 24,8 Prozent auf 49515 gestiegen. Sie hinterlassen einen Schuldenberg von fast sechs Milliarden Euro. Der rapide Anstieg der Privatpleiten ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auch auf das neue Insolvenzrecht zurückzuführen: Seit 1. Dezember 2001 können Privatpersonen und Kleinunternehmer, auch wenn sie über keinerlei finanzielle Mittel verfügen, ein Insolvenzverfahren beantragen. Sie können sich dabei die Verfahrenskosten stunden lassen.

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