Wirtschaft : Zahlen auf der Autobahn

Bernd Hops

Wenn alle Stricke reißen, dann kann der deutsche Staat immer noch sein Autobahnnetz verkaufen. Das ist jedenfalls ein Gedanke, den so mancher Haushaltspolitiker und der zukünftige Finanzminister Peer Steinbrück schon einmal gehabt haben. Aber was würde ein Verkauf der rund 12500 Kilometer tatsächlich in die Kassen des Bundes bringen?

Setzt man als Preis den Wert der Substanz an, fließen als Faktoren die bisherigen Investitionen und der heutige Zustand der Strecken ein. Vor drei Jahren hat sich schon einmal das Beratungsunternehmen Prognos die Mühe gemacht, das auszurechnen und ist auf 127 Milliarden Euro gekommen. Die deutsche Bauindustrie, die diese Woche eine für sie erarbeitete Studie vorstellte, sieht das etwas anders. Hier kommt man für das Jahr 2006 nur auf 104,6 Milliarden Euro – immer noch eine hübsche Summe.

Bloß hat kein Käufer, kein Unternehmen etwas davon, einfach nur eine Autobahn zu besitzen. Irgendwie muss das Geld wieder hereinkommen. Der Preis, den die Industrie für die Straßen zu zahlen bereit sein würde, hängt von dem ab, was sie damit verdienen kann. Wie viel in Brücken, Straßenmarkierungen und Asphalt geflossen sind, ist ihr da ziemlich egal. Und aus Sicht der Industrie wird der Staat um die Einführung einer Pkw-Maut nicht herumkommen, wenn er einen anständigen Preis für die Autobahnen haben will.

Die Studie der Bauindustrie hat drei Szenarien aufgemacht – und bei allen dreien ist eine Pkw-Maut ein Grundfaktor. Die Lkw-Maut allein reicht nicht aus, um die Autobahnen für einen kompletten Kauf attraktiv zu machen. Setzt man eine Pkw-Maut von 1,6 Cent je Kilometer und eine Lkw-Maut von 12,4 Cent an, dann sähe man in der Industrie lediglich 27,7 Milliarden Euro als fairen Preis für die Autobahnen an – rund 99 Milliarden weniger als der von Prognos angesetzte Wert. Bei einer Maut von 3,4 Cent für Pkw und 19,8 Cent für Lkw käme man auf jährliche Einnahmen von insgesamt 13,2 Milliarden Euro auf deutschen Autobahnen. Unter der Voraussetzung – und unter Berücksichtigung der nötigen Instandhaltungskosten – würde sich für die Industrie ein Preis von 87,2 Milliarden Euro rechnen.

schaut auf den Wert

der deutschen Schnellstraßen

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben