Zahlungsbereite Kunden : Telefonieren könnte teurer werden

Filme und Musik streamen, videotelefonieren über das Internet: Die Telekommunikation wandelt sich. Und mit den Ansprüchen steigen auch die Preise.

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Telefonieren ist längst mehr als ein Apparat mit Hörer. Die Netze müssen immer leistungsfähiger werden.
Telefonieren ist längst mehr als ein Apparat mit Hörer. Die Netze müssen immer leistungsfähiger werden.Foto: picture alliance / dpa

Billig telefonieren war gestern. Das jedenfalls sagt Andreas Gentner für morgen voraus. Auf dem Mobilfunkmarkt würden sich die Preise 2016 nach jahrelanger Talfahrt stabilisieren, sagte der Deloitte-Experte am Mittwoch in Berlin. „Verbraucher müssen sich auf ein Ende der günstigen Telekommunikationspreise einrichten.“ Bei Internet und Festnetz sehen die Berater in ihrer Studie die Trendwende bereits vollzogen und erwarten leicht steigende Preise.

Einer der Gründe dafür sei die wachsende Beliebtheit von Streamingdiensten. Statt auf physische Tonträger wie CDs greifen Verbraucher immer häufiger auf die Angebote von Musikbörsen wie Spotify, Deezer oder Apple Music zurück. Und auch beim Fernsehen verändern sich die Sehgewohnheiten. Vor allem jüngere Zuschauer halten sich nicht mehr an die Programmtafeln der Sender, sondern nutzen Bezahlangebote wie Netflix oder Amazon Prime. Über solche Dienste können Zuschauer Filme und Serien zu jeder Zeit sehen.

Sowohl die Musik- als auch die Videodienste laufen am besten über das breitbandige Internet. Nutzer wertschätzten schnelle Netze zunehmend, so die Schlussfolgerung der Studie. „Deshalb sind sie auch bereit, mehr dafür zu bezahlen“, erläuterte Gentner.

Netzausbau treibt die Preise

Im Mobilfunk sorgt den Experten zufolge das Zusammengehen von O2 und E-Plus für eine Marktbereinigung. Seit Anfang des abgelaufenen Jahres gehört E-Plus zur spanischen Telefonica, die vor allem mit ihrer Marke O2 im deutschen Markt bekannt ist. Durch die Übernahme gibt es zwar noch immer vier große Marken, aber mit Deutscher Telekom, Vodafone und Telefonica (O2/E-Plus) nur noch drei Netzbetreiber.

Diese Konsolidierung ist eine der Ursachen, warum die Anbieter keinen Zwang zum weiteren Preiskampf spüren, wie die Berater analysieren. Hinzu kommen hohe Investitionen in die Netze: In den kommenden Jahren arbeiten die Konzerne auf den künftigen Mobilfunkstandard 5G hin. Mit ihm soll das Internet der Dinge Wirklichkeit werden: selbstfahrende Autos, vernetzte Städte, intelligente Häuser.

Zwar wird der Marktstart erst 2020 erwartet. Die Milliarden von Euro für den Netzausbau müssen die Konzerne aber im Voraus ausgeben. Auch das dürfte sich auf die Preise auswirken.

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