Wirtschaft : Zahovic folgt Roy Keane

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Seogwipo (dpa). Roy Keane ist nicht mehr der einzige Spieler, der von der Fußball-Weltmeisterschaft nach Hause geschickt wurde. Nach dem Kapitän der irischen Mannschaft musste am Donnerstag auch Sloweniens Star Zlatko Zahovic seine Koffer packen und abreisen. Wie Keane bekam der 31-Jährige das Rückreise-Ticket aus disziplinarischen Gründen ausgestellt. Einen Tag, nachdem Trainer Srecko Katanec in Folge eines handfesten Streits mit dem Spieler von Benfica Lissabon den vorzeitigen Ausstieg aus seinem Vertrag nach der WM angekündigt hatte, weitete sich der Krach im Lager des WM-Neulings aus. Selbst ein Appell von Staatspräsident Milan Kucan, der sich erstmals in sportliche Belange seines Landes einmischte, blieb ungehört.

„Wir haben die Entscheidung getroffen, um die Atmosphäre in der Mannschaft zu beruhigen und alle Energie auf die folgenden Spiele zu lenken“, hieß es in einer Erklärung auf der Homepage des slowenischen Verbandes. Zahovic, der mit 32 Toren in 65 Länderspielen Sloweniens erfolgreichster Nationalspieler ist, hatte den Machtkampf mit Katanec vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Südafrika am Samstag in Daegu auf die Spitze getrieben. „Alle 22 Spieler stehen hinter der Entscheidung. Wir sind mit Zahovics Verhalten nicht einverstanden“, erklärte Kapitän Ales Ceh, der noch am Vortag für Zahovics Bleiben plädiert hatte. „Ich danke allen Spielern“, sagte der geschasste Spieler voller Sarkasmus, bevor er am Nachmittag das Mannschaftshotel auf der südkoreanischen Insel Jeju verließ.

Am Mittwoch war Verbandspräsident Rudi Zavrl dem Trainer Katanec mit seiner Entscheidung pro Zahovic zunächst in den Rücken gefallen. Via Internet verbreitete der Verband nun die Gründe für die Kehrtwendung: Zahovic habe Katanec beleidigt, sich auch gegenüber Zavrl unverschämt benommen und sich nicht an die Abmachung gehalten, nicht mehr öffentlich über die Vorfälle nach dem 1:3 gegen Spanien zu sprechen.

Zahovic war in der 63. Minute ausgewechselt worden und hatte Katanec danach rüde beschimpft. In der Kabine war es zu Handgreiflichkeiten zwischen beiden gekommen, Kapitän Ceh verhinderte eine Eskalation. Katanec forderte da schon den Rauswurf des für sein schlechtes Benehmen bekannten Stars. Zahovic durfte bleiben, doch als Gewinners der ersten Machtprobe überschätzte er sich schließlich. Er hörte nicht auf, gegen Katanec zu insistieren. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen konnte sich nicht einmal Staatspräsident Kucan Gehör verschaffen. Er hatte in einem Brief geschrieben: „Es gibt weder eine ideale Gemeinschaft noch ideale Menschen. Größe ist, wenn man lernt, mit Differenzen zu leben.“

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