Wirtschaft : Zegna hat den Umsatz in fünf Jahren verdoppelt

MAILAND (hjk/HB).In Amerika hatte Italiens führender Hersteller edler Herrenkonfektion im vergangenen Jahr unfreiwillig und kostenlos zwei Werbeträger, die bis heute permanent im Rampenlicht stehen und die Nobelmarke Ermenegildo Zegna mit einem Schlag einem breiten Publikum bekannt machten: US-Präsident Bill Clinton und Monica Lewinsky.Die viel zitierte gelb-blaue Krawatte, die die Praktikantin dem Chef des Weißen Hauses geschenkt hat, stammt aus dem Hause Zegna.

In Deutschland gehört Bundeskanzler Gerhard Schröder, wie es jüngst in Zeitschriften hieß, gegenwärtig zu den prominentesten Kunden.Am Abend seines Wahlsiegs Ende September soll Schröder in einem Zegna-Anzug seine erste Rede als designierter Regierungschef gehalten haben.Der breiten Öffentlichkeit blieb dies jedoch verborgen und der Kreis der langjährigen Stammkunden wurde trotz des Schröderschen Promi-Effekts kaum größer.

Am neuen Bundeskanzler aber liegt es nicht, daß der Chef des Familienunternehmens mit dem Deutschland-Geschäft noch längst nicht zufrieden ist, wie er im Gespräch mit dem Handelsblatt einräumte.Ermenegildo Zegna, 42jähriger Urenkel des Firmengründers, führt die Schwierigkeiten im kleinen Marksegmet der Luxusherrenmode auf die Sparsamkeit der deutschen Männer zurück, die nach seiner Erfahrung ungern mehr als 1000 DM für einen Anzug bezahlen, und auf die Konkurrenzmarke Boss, die diese psychologische Preisgrenze bisher weitgehend unterbietet.

Dennoch hofft Zegna, den Marktanteil in Deutschland in den nächsten Jahren mit seinen erlesenen Stoffen und Modellen spürbar ausweiten zu können.Bei den acht Verkaufsstellen - zwei Franchise-Betriebe in Berlin und Hamburg, sechs "shops im shop" - soll es nicht bleiben.Große Flagshipstores sind in Düsseldorf, München und Frankfurt geplant.Auch ein neuer Marketingchef soll das Geschäft ankurbeln helfen.Bisher ist Deutschland Markt Nummer fünf für Zegna.

In anderen Ländern, allen voran den USA, ist des Unternehmen erfolgreicher.80 Prozent der Produktion werden exportiert - nach eigenen Angaben ist Zegna mit einem Marktanteil von 30 Prozent Weltmarktführer im Bereich der hochwertigen Herrenbekleidung.Vier Fünftel der Produktion in den neun eigenen Fabriken in Italien, der Schweiz, Spanien, der Türkei und Mexiko sind für die Hausmarke bestimmt.Der Rest geht an Edelschneider wie Jil Sander, Versace und Gucci.Pro Jahr werden 2 Mill.Meter Stoffe, 3 Mill.Krawatten sowie je 500 000 Stück Oberbekleidung und Hemden hergestellt.Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr nach ersten Schätzungen um 3 Prozent auf 900 Mrd.Lire (etwa 465 Mill.Euro) und hat sich somit in den letzten fünf Jahren verdoppelt.Über die offenbar gute Ertragslage spricht man bei Zegna nicht.Die Nachfrageschwäche in Asien soll durch höhere Lieferungen nach Nordamerika kompensiert werden.

Das weitgehend schuldenfreie Unternehmen konzentriert sich bei den Investitionen auf die Erforschung neuer Stoffe - die aus Cashmere und Seide entwickelt werden und möglichst leicht sein sollen - und den Ausbau des Vertriebsnetzes.Allein 1998 stieg die Zahl eigener Verkaufsstellen weltweit von 209 auf 240.Der erste eigene Laden war 1980 in Paris eröffnet worden.Schlüssel des Erfolgs ist die Strategie, die der junge Firmenchef mit dem Stichwort "consumer management" umschreibt: Der Kunde sollen im Mittelpunkt stehen.Und zwar bei allen Gelegenheiten; nicht nur im Geschäft oder Büro, auch in der Freizeit und beim Sport.Schon seit Jahren kann man in Zegna-Läden Maßanzüge bestellen, die in dem Schweizer Werk gefertigt werden.Dieses Segment soll weiter ausgebaut werden, bis hin zum Reinigungs- und Winterlagerungs-Service.Neuerdings kann sich der Zegna-Kunde sogar Krawatten maßschneidern lassen - auch die berühmt-berüchtigte aus dem fernen Washington.

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