Wirtschaft : Zehn Milliarden Dollar für die führende amerikanische Krankenversicherung

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Das führende amerikanische Krankenversicherungsunternehmen Aetna Inc, Hartford/Connecticut, hat in der Nacht zum Donnerstag ein Übernahmeangebot von zwei Konkurrenten im Wert von 9,89 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Die Bieter sind WellPoint Health Networks Inc in Thousand Oaks aus Kalifornien und der holländische Finanzdienstleister ING Groep NV. Die Offerte lautet auf 44 Dollar in bar und 26 Dollar in WellPoint-Aktien für jeden Aetna-Schein. Aetna teilte mit, das bereits vor einer Woche eingetroffene Angebot werde zur Zeit im Unternehmen geprüft. Aetna steht bereits seit längerem unter wachsendem Druck der Aktionäre, den Aktienkurs zu stützen, der in den letzten neun Monaten um rund die Hälfte gefallen ist. Die Hauptgründe dafür sind steigende Arztkosten und Verluste bei der unlängst übernommenen Versicherungsgesellschaft Prudential Healthcare; die Übernahme kostete rund eine Milliarde Dollar.

Wenn Aetna die aktuelle Übernahmeofferte akzeptiert, würde WellPoint die Zahl der Versicherten verdreifachen und ING würde in den Vereinigten Staaten Lebens-und Rentenversicherungskunden gewinnen. An der US-Börse legten Aetna am Mittwoch um 34 Prozent auf 55 Dollar zu, nachdem der Sender CNBC von dem Angebot Wind bekommen hatte und die Meldung entsprechend verbreitete. Danach setzte der New York Stock Exchange den Handel in Aetna aus. WellPoint fielen vor der Aussetzung um 8,3 Prozent auf knapp 62 Dollar und ING gaben in Amsterdam leicht auf 52,50 Euro nach.

Aetnas drei Geschäftssparten sind die U.S Healthcare-Krankenversicherung, finanzielle Dienstleistungen und internationale Versicherungen und Finanzdienstleistungen. Am Freitag hatte Aetnas Chairman Richard Huber seinen Posten niedergelegt. Zum Nachfolger wurde William H. Donaldson berufen. Donaldson ist Mitbegründer der Wall-Street-Bank Donaldson Lufkin & Jenrette Inc und ehemaliger Vorsitzender der amerikanischen Leitböse New York Stock Exchange.

Wie Aetna weiter mitteilte, sei das Angebot der beiden Konkurrenten am Tage vor Hubers Rücktritt eingetroffen. WellPoint und ING wollten das Angebot nach den eigenen Plänen vorläufig geheim halten. Nachdem CNBC aber über die Offerte berichtete, bestätigten beide, dass sie an der Übernahme Aetnas interessiert seien, ohne dabei jedoch auf Konditionen einzugehen. INC sagte in einem Statement, das Angebot sei Teil der Strategie, ihre Präsenz in den USA, Lateinamerika und Asien auszubauen.

Die niederländische ING will in den Vereinigten Staaten mit weiteren Zukäufen zu einem der zehn größten Versicherer aufrücken. WellPoint würde durch den Kauf Kunden außerhalb Kaliforniens hinzu gewinnen. Mehr als zwei Drittel von WellPoints Kunden lebten Ende 1999 in Kalifornien. Aetna hatte Ende letzten Jahres 21,1 Millionen Kunden, davon aber nur rund elf Prozent in den Westküstenstaaten.

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