Wirtschaft : Zehntausende legen Wolfsburg lahm

Großkundgebung vor der VW-Zentrale/Zähe Verhandlungen über eine Paketlösung

Alfons Frese

Berlin – Mit der Unterstützung von Zehntausenden VW-Mitarbeitern ging die IG Metall am Dienstag in eine weitere Verhandlungsrunde um einen neuen Haustarif. Nach Angaben des Betriebsrats versammelten sich mehr als 40000 Personen vor der Konzernzentrale in Wolfsburg, um für mehr Geld und sichere Arbeitsplätze zu demonstrieren. Betriebsratschef Klaus Volkert sagte auf der Kundgebung, wenn kein Kompromiss gefunden werde, „erleben wir bei Volkswagen einen Konflikt, wie ihn die Geschichte dieses Unternehmens noch nicht gekannt hat“. Derweil setzten in Hannover beide Parteien die Verhandlungen fort. Sowohl VW-Personalchef Josef- Fidelis Senn als auch IG-Metall-Verhandlungsführer Klaus Meine bekräftigten den Willen zur Einigung. Es sei aber schwierig und zeitintensiv, ein Gesamtpaket zu schnüren. Ein Ende der Verhandlungen war am späten Nachmittag nicht abzusehen. „Ein guter Tarifabschluss scheut das Tageslicht“, sagte Meine.

Am späten Montagabend hatten sich die Verhandlungspartner vertagt, „weil keine Zielgerade in Sicht war“, wie es am Dienstag hieß. Die IG Metall will für die sechs Standorte in Westdeutschland Zusagen über Investitionen, Produkte und Arbeitsplätze und dazu zwei Prozent mehr Geld. Volkswagen fordert eine Nullrunde und will mit einem sieben Punkte umfassenden Sparprogramm die Arbeitskosten bis 2011 um 30 Prozent oder zwei Milliarden Euro reduzieren. Allein in dieser Tarifrunde soll ein Sparvolumen von einer Milliarde Euro vereinbart werden.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht das Stammwerk in Wolfsburg mit rund 50000 Beschäftigten, davon 30000 in der Produktion. Das Werk ist abhängig von der Golf-Fertigung und auf Grund des relativ schwachen Golf-Absatzes nicht ausgelastet – trotz der Vier- Tage-Woche. Deshalb wäre es wichtig für den Standort, dass weitere Golf-Ableger – etwa der auf Golf-Basis geplante kleine Geländewagen – in Wolfsburg produziert werden. Der Vorstand hat indes eine Vergabe neuer Produkte von Zugeständnissen der Belegschaft bei den Arbeitskosten abgängig gemacht.

Nach VW-Angaben liegen die Arbeitskosten bei Volkswagen um elf Prozent über der deutschen Konkurrenz und um 20 Prozent über dem Flächentarifvertrag. Berechnungen des Gelsenkirchener Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer zufolge würde VW 1,5 Milliarden Euro im Jahr sparen, wenn die Arbeitskosten in den westdeutschen Werken so niedrig wären wie in Frankreich.

Unterdessen teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit, im ersten Halbjahr sei die Fahrzeugproduktion weltweit um sechs Prozent auf 32,6 Millionen Einheiten gestiegen. Dabei gab es die stärksten Zuwächse in Osteuropa und der Türkei, gefolgt vom asiatischen Raum und Südamerika. Fast acht Millionen Menschen seien mit der Produktion von Autos beschäftigt. „Die Automobilindustrie ist wichtiger Lebensnerv und Wohlstandsquelle für zahlreiche Volkswirtschaften in der Welt“, sagte VDA- Präsident Bernd Gottschalk anlässlich einer Tagung des Weltautoverbandes in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

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