Wirtschaft : Zehntausende neue Jobs im Mittelstand Jede dritte Firma investiert und stellt ein

Berlin - Der Mittelstand in Deutschland rechnet im neuen Jahr mit einem spürbaren Aufschwung und hunderttausenden neuen Jobs. Bis zu 250 000 neue Stellen seien zu erwarten, die Firmen würden 20 bis 30 Milliarden Euro mehr investieren, erwartet der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW). „Der Mittelstand sorgt auch 2014 verlässlich für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland“, versprach Verbandspräsident Mario Ohoven am Freitag in Berlin. „Die Unternehmer gehen mit großem Optimismus in das neue Jahr.“

Laut einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 3300 Unternehmen schätzen mehr als 90 Prozent der Klein- und Mittelbetriebe ihre Geschäftslage als befriedigend oder besser ein. Fast 38 Prozent erwarten noch höhere Umsätze im ersten Halbjahr 2014. Jedes dritte Unternehmen will zudem mehr investieren oder zusätzliche Mitarbeiter einstellen, berichtete Ohoven. Auf Basis dieser Zahlen rechnet er mit Investitionen von 180 bis 190 Milliarden Euro nach 160 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Mittelstand fungiere auch 2014 als Jobmotor Deutschlands, sagte der BVMW-Chef weiter. Bei einigermaßen wachstums- und investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen hält Ohoven eine Wachstumsrate von 1,8 Prozent im nächsten Jahr für realistisch.

Die Pläne der schwarz-roten Regierung sehen die Mittelständler allerdings kritisch. Dass bei einer Verbandsumfrage fast 86 Prozent der Befragten bemängelten, dass im Koalitionsvertrag der Mittelstand ungenügend berücksichtigt sei, nannte Ohoven alarmierend. Schon zuvor hatten wichtige Industriebranchen von Auto über Chemie bis zum Maschinenbau angesichts der wieder anziehenden Weltkonjunktur und bester Konsumlaune in Deutschland über positive Aussichten berichtet.

Große Risiken für die internationale Konjunktur sieht hingegen der Ökonom Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Die Niedrigzinspolitik führe dazu, dass Kapitalströme fehlgeleitet werden und Risiken steigen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Zudem bestehe weiterhin die Möglichkeit einer neuen Finanzkrise, weil die Anreize bei den systemrelevanten Finanzinstitutionen nicht geändert worden seien. Diese könnten weiter in guten Zeiten Gewinne einstreichen und sich in schlechten darauf verlassen, dass der Steuerzahler sie rettet. Er sage nicht einen Einbruch für 2014 voraus. „Aber die Unsicherheit ist groß.“

Snower kritisierte zudem Europas Finanzpolitik als intransparent und zu wenig nachhaltig. Letztlich bestehe die Gefahr, dass Einzelstaaten sich nicht an den Fiskalpakt hielten. Problematisch sei auch das Fehlen einer Strukturpolitik, die Wachstum gewährleistet. rtr/dpa

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