Wirtschaft : Zeichner argentinischer Anleihen wollen klagen

mv/rp/HB

Die Interessengemeinschaft Argentinien (IG Argentinien) nimmt Gestalt an. "Es spricht sich jetzt langsam rum", sagt Stefan Engelsberger, der Initiator der Interessengemeinschaft. Bis Mitte Februar haben sich über 130 geschädigte Anleihe-Anleger mit ihren Einzahlungen für eine Teilnahme an der IG ausgesprochen.

Die IG-Argentinien wurde von Engelsberger als "Ad-hoc-Interessengruppe" am 10. Januar 2002 gegründet. Ihr hochgestecktes Ziel ist es, dass die Rechte der Inhaber von argentinischen Anleihen in Verhandlungen berücksichtigt werden. Das lateinamerikanische Land war Anfang Januar in Zahlungsverzug geraten. Wegen einer anhaltenden Finanzkrise war der Schuldendienst für Auslandsanleihen eingestellt worden.

Schätzungen zufolge sind insgesamt Eurobonds in verschiedenen Währungen von bis zu 50 Milliarden Dollar davon betroffen. Zwar hatte sich die Krise bereits über einen längeren Zeitraum abgezeichnet, doch wurden vor allem Privatanleger in Mitleidenschaft gezogen. Ihnen drohen nun deutlich schlechtere Konditionen bei ihren Anleihen. Institutionelle Investoren waren zum Teil schon Monate vor der Zuspitzung der Lage in Argentinien ausgestiegen.

Aber "wir sind keine verrückte Truppe", unterstreicht Engelsberger. Als größte Gläubigergruppe müsse der private Sektor berücksichtigt werden; er dürfe nicht benachteiligt werden. Engelsberger hat nach eigenen Angaben selbst Anleihen der Republik Argentinien gekauft. Seine Vision: Ähnlich wie die staatlichen Kreditgeber im Pariser Club zusammengefasst sind und die kommerziellen Gläubiger im Londoner Club, müssten auch private Gläubiger zu einer Organisationsform finden.

Seine Interessengemeinschaft ist freilich noch ganz am Anfang. Zurzeit sucht sie den Kontakt zu einer ebenfalls neu gegründeten Interessengemeinschaft in Italien und vor allem nach New York. Dort hatte sich im November 2001 das "Argentina Bondholders Committee" (ABC) als Vertretung institutioneller Anleiheinhaber gebildet. Die ABC will sich weltweit Mitgliedern öffnen.

Zurzeit prüft die Interessengemeinschaft zudem, wie die Inhaber von Argentinien-Anleihen ihre Vermögensansprüche sichern können. Dabei stehen jedoch nicht die zunächst diskutierten Klagen gegen deutsche Banken im Mittelpunkt der juristischen Prüfung. Diese wären allenfalls dann aussichtsreich, wenn ein Berater der Bank die Papiere als besonders sicher empfohlen oder bereits bestehende Anzeichen für Zahlungsschwierigkeiten des Landes übersehen hätte. Ansprüche wegen falscher Angaben im Emissionsprospekt der Argentinien-Bonds dürften in den meisten Fällen bereits verjährt sein.

Rechtsanwalt Franz Braun von der Münchener Anwaltskanzlei Rotter, die die Interessengemeinschaft berät, setzt auf eine vorzeitige Kündigung der Anleihen, so dass diese sofort und nicht erst nach Ablauf der Laufzeit fällig und auszuzahlen sind. Eine Kündigung sehen die Bedingungen des Emissionsprospekts beispielsweise vor, wenn keine Zinsen ausgezahlt werden.

Allerdings gäbe es da ein kleines Problem, so Rotter: "Argentinien hat kein Geld." Deshalb sei es das primäre Ziel, auf diplomatischer Ebene über Umschuldungen zu verhandeln. Eine drohende Klage auf Auszahlung der Anleihen könnte angesichts des Verlustes von rund 10 Milliarden Euro bei deutschen Investoren ein gewisses Druckmittel darstellen, hofft Braun.

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