Wirtschaft : Zeichnungsfrist für EADS: Beginn ist am heutigen Freitag - Frühzeichner haben Vorteile

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Am heutigen Freitag beginnt die Zeichnungsfrist für die Aktien des neuen europäischen Luft-und Raumfahrtkonzerns EADS (European Aeronautic and Defence Company), die bis zum 7. Juli dauert. Die beiden Chefs, der Franzose Philippe Camus und der Deutsche Rainer Hertrich, wollen heute in Paris Einzelheiten zum Börsengang bekanntgeben. Die Erstnotiz ist für den 10. Juli an den Plätzen Frankfurt (Main), Paris und Madrid geplant. Wie berichtet, sollen Kleinanlegern Anreize geboten werden. Frühzeichner erhalten einen Preisnachlass und werden bei der Zuteilung bevorzugt. Analysten zufolge soll sich der Kurs zwischen 22 und 28 Euro bewegen - je nach veranschlagtem Unternehmenswert. Der Streubesitz wird zunächst rund 30 Prozent betragen. Den Rest halten über die niederländische Holding Daimler-Chrysler Aerospace (Dasa), Aérospatiale Matra und Construcciones Aeronauticas (Casa) - also die deutschen, französischen und spanischen Anteilseigner.

Einen verbindlichen Hinweis auf den tatsächlichen Emissionspreis geben die aktuellen Notierungen der französischen Aérospatiale Matra (AM), die in Form von Anteilsscheinen an der Pariser Börse gehandelt werden. Geplant ist, diese Anteilsscheine zeitgleich mit der Erstnotiz von EADS zum 10. Juli im Verhältnis eins zu eins in EADS-Papiere zu tauschen. Streng genommen handelt es sich damit nicht um eine Erstnotierung, das heißt eine Neuemission, sondern um eine Zweitplatzierung. Aus diesem Grund werden bei der EADS-Emission auch keine Preisspannen bekanntgegeben.

Deutsche Bank und die ABN Amro sind Konsortialführer der Emission. Mit 150 Millionen Aktien und einem erwarteten Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro wäre die EADS-Aktienplatzierung nach der Deutschen Telekom und Infineon die drittgrößte deutsche Börsenemission. Ursprünglich war das Pressegespräch in Amsterdam vorgesehen. Aus technischen Gründen habe man umdisponieren müssen, hieß es.

Branchenkreise gehen davon aus, dass die bereits zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Schönefeld erwartete Entscheidung zum Programmstart des geplanten neuen Großraumflugzeugs, den Airbus A3XX in Paris bekanntgegeben werden könnte. Mit dem A3XX wollen die Europäer das bisherige Monopol von Boeing brechen. Außerdem dürfte man sich über die Verteilung der Arbeitspakete zwischen Toulouse und Hamburg verständigt haben. Bislang wird angenommen, dass die Endmontage in Toulouse, die Innenausstattung in Hamburg erfolgen soll. Von der definitiven Aufteilung hat die Bundesregierung bislang ihre Förderungszusage für das über 20 Milliarden Mark teuere Projekt abhängig gemacht. Analysten gehen davon aus, dass eine positive Aussage zum möglichen Start des neuen Airbus direkte Wirkung auf den Börsengang der EADS haben wird.

Unabhängig davon gibt es bei allen Chancen der Emission auch Risiken. So geht der Konzern zwar mit einem Auftragsbuch von 100 Milliarden Euro an den Start. Das ist das Fünffache des Umsatzes. Und auch der Zuschlag für den neuen Transporter A400 M für die europäischen Luftwaffen konnte unter Dach und Fach gebracht werden. Doch neben der noch zu bewerkstelligenden Integration der drei Gesellschafter im neuen Verbund und der mitunter schwierigen Absprache mit den britischen Partner im Airbus-Konsortium ist vor allem die Konzernabhängigkeit vom US-Dollar ein Risikofaktor. Wird der Greenback wieder schwächer, schrumpft auch der erwartete operative Gewinn.

Die EADS, die aus der Fusion von Daimler-Chrysler Aerospace und Aérospatiale Matra und Casa hervorgeht, hält 80 Prozent am Airbus-Konsortium. Die übrigen 20 Prozent kontrolliert die britische BAe Systems (vormals British Aerospace). Mit einem Umsatz von über 22 Milliarden Euro wird EADS das größte Luft- und Raumfahrtunternehmen Europas und weltweit der drittgrößte Konzern der Branche sein - nach den US-Unternehmen Boeing und Lockheed-Martin. Drei Viertel des Geschäftes entfallen auf die zivile Fertigung. Allein Airbus macht 54 Prozent vom Umsatz aus - und steuert über 70 Prozent zum operativen Gewinn bei. Insgesamt werden drei Viertel der Erlöse im zivilen Bereich erwirtschaftet. In den drei beteiligten Staaten sind 92 000 Mitarbeiter beschäftigt.

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