Wirtschaft : Zeichnungsfrist für Lufthansa-Aktien beginnt

Größter Börsengang seit der Telekom / Rekordgewinn angekündigt

FRANKFURT (MAIN) (AFP/rtr).Am heutigen Montag startet mit der Restprivatisierung der Deutschen Lufthansa der größte Börsengang seit der Deutschen Telekom.Bis zum 10.Oktober können Interessenten Kaufaufträge für die 140 Mill.Aktien abgeben, mit deren Verkauf sich der Bund vollständig aus der Fluggesellschaft zurückzieht.Die Lufthansa sieht für ihre Aktien "Perspektiven, die beflügeln", doch viele Börsenexperten geben sich reservierter.Ob die Kranich-Aktie zu einem neuen Steigflug ansetzt, wird sich erst nach dem Börsengang am 13.Oktober zeigen. Das Unternehmen wird nach den Worten ihres Finanzchefs Klaus Schlede in diesem Jahr einen Rekord beim Vorsteuer-Gewinn aufstellen.Schlede sagte am Wochenende der "Börsen-Zeitung", er rechne mit einem Konzernergebnis von über einer Mrd.DM vor Steuern, nach 686 Mill.DM im Vorjahr.Der Jahresüberschuß werde wegen hoher Steuerrückstellungen allerdings nicht wesentlich höher ausfallen als 1996, als es 558 Mill.DM gewesen waren. Schlede sagte weiter, der Konzern verfüge über stille Reserven von mehr als elf Mrd.DM in seinen Konzerngesellschaften, den Beteiligungen und der Flugzeugflotte.Vor diesem Hintergrund sei ein Kursziel von etwa 45 bis 50 DM für die Lufthansa-Aktie fundamental gerechtfertigt.Über den eigenen Cash-flow hinaus benötige die Lufthansa keine weiteren Mittel zur Finanzierung, sagte Schlede.Eine Kapitalerhöhung vor dem Jahr 2000 schloß er daher ebenso aus wie den Verkauf von Beteiligungen.1998 sollten allerdings das Cateringunternehmen LSG und das Buchungssystem Amadeus an die Börse gehen. "Besonderes Augenmerk", so die den Börsengang führende Dresdner Bank, richtet die Lufthansa auf Kleinanleger.Sie erhalten einen Rabatt von einer DM und werden bei der Zuteilung bevorzugt, wenn sie mindestens 100 Aktien ordern und frühzeitig, bis spätestens 2.Oktober, ihre Bestellung abgeben.Eine Gewinngarantie ist dies freilich nicht, denn bei den Kursausschlägen der vergangenen Wochen ist ein solcher Rabatt schnell aufgezehrt.Allein am Freitag verlor die Lufthansa gegenüber dem Vortag über 1,30 DM und notierte zum Schluß des Parketthandels in Frankfurt bei 33,50 DM. Beflügeln dürfte die Privatisierung der verbliebenen Bundesanteile vor allem den Bonner Finanzminister.Beim derzeitigen Börsenkurs ist der 37,5prozentige Bundesanteil fast fünf Mrd.DM wert, eine Mrd.DM mehr als bislang eingeplant.Der genaue Ausgabekurs wird freilich erst am Wochenende vom 11.und 12.Oktober bekanntgegeben, dürfte sich aber in der Nähe des aktuellen Aktienkurses bewegen. Mit genaueren Prognosen über die Kurs- und Unternehmensentwicklung der Lufthansa halten sich die führenden deutschen Banken allerdings zurück - schließlich sind sie fast alle an dem Lufthansa-Börsengang beteiligt und zur Verschwiegenheit verpflichtet.Bisher gaben sie jedoch meist positive Aussagen ab.So geht etwa die Vereinsbank davon aus, daß von 1996 bis 1998 der Gewinn je Aktie um 35 Prozent jährlich steigen wird.Auch die unabhängigen Analysten von Independent Research sehen Potential für einen Anstieg der Lufthansa-Aktie auf bis zu 45 Mark.Andere Analysten sehen dagegen auch die von der Lufthansa anvisierten Gewinnzuwächse schon jetzt im Börsenkurs enthalten, so daß ein weiterer großer Kursanstieg nicht zu erwarten sei.

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