Wirtschaft : Zeit für Fragen

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Der französische Premierminister JeanPierre Raffarin erinnert seine Landsleute jetzt daran, dass Frankreich „keinen Krieg mit den USA führt und beide Länder Verbündete bleiben“. Gleichzeitig verkündet Außenminister Dominique de Villepin, dass Frankreich im Fall eines Gegenangriffs des Iraks mit chemischen Waffen, „seinen wertvollen Freunden“ helfen werde. Wir hoffen, dass hinter diesen Bekundungen mehr steckt als nur ein schlechtes Gewissen.

Die französische Regierung versucht seit geraumer Zeit so zu tun, als hätte ihr Verhalten gegenüber den Verbündeten Großbritannien und USA – nicht zu vergessen Spanien, Italien und praktisch das gesamte Osteuropa – keine nachhaltigen Konsequenzen. Als der französische Staatspräsident Jacques Chirac am 10. März in einem Fernsehinterview gefragt wurde, ob die französische Obstruktionspolitik die transatlantischen Beziehungen beschädigen würde, wies er das kategorisch zurück. In dem Interview ließ Chirac auch die kleine Bombe fallen, dass Frankreich „unter allen Umständen“ ein Veto gegen eine zweite UN-Resolution zum Irak einlegen würde. Mit anderen Worten, die Inspektoren hätten mit Koffern voller biologischer Waffen zurückkommen können, Saddam hätte den dritten Weltkrieg auslösen können oder er hätte drei weitere Dörfer vergasen können: Non. Das französische Veto war in Stein gemeißelt. Im vergangenen Jahr unterstützte Frankreich im UN-Sicherheitsrat eine Resolution, die Saddam Husseins „umgehende Entwaffnung“ forderte. Sollte der Irak nicht umgehend reagieren, würde die internationale Gemeinschaft etwas dagegen unternehmen und Frankreich würde das unterstützen. Die USA nahmen ihren Verbündeten Frankreich beim Wort.

Vielleicht dämmert den Herren Chirac, de Villepin und Raffarin, was die US-Führung empfunden haben mag, als Frankreich verkündete, jede Resolution mit einem Veto zu blockieren. Zumindest erkennen sie jetzt vielleicht, dass der Schaden mehr als oberflächlich ist und dass es Frankreich gelungen ist, sich selbst an den Rand zu drängen. Dennoch, ein einsichtiges Frankreich, das gewillt ist, seine Obstruktionspolitik aufzugeben, könnte jetzt offene Ohren in Washington finden. Aber es wird nicht leicht sein, die Wunden der vergangenen Monate zu heilen.

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