Zeitarbeit : Adecco will die Nummer eins werden

Auf Expansionskurs: Die Schweizer Zeitarbeitsfirma setzt auf den deutschen Markt und kauft den Vermittler Tuja.

Oliver Stock

Zürich - Die weltgrößte Zeitarbeitsfirma Adecco will mit der Übernahme der Tuja-Gruppe auch in Deutschland zum Marktführer werden. Für 800 Millionen Euro kauft das Schweizer Unternehmen den deutschen Arbeitsvermittler. Damit kommt Adecco nun auf einen Marktanteil von rund 13 Prozent und liegt etwa auf einem Niveau wie die bisherige Nummer eins Randstad. „Wir haben gleichgezogen“, sagte Adecco-Chef Dieter Scheiff am Montag in Zürich. Erst vor einem Jahr hatte Adecco die Mehrheit am Fachkräftevermittler DIS übernommen.

Die Tuja-Gruppe, die ihren Namen zunächst behalten soll, ist ein Unternehmen, das auf die Vermittlung von Facharbeitern spezialisiert ist – vor allem für die Luftfahrtindustrie, die Automobilbranche und für metallverarbeitende Betriebe. Dieser Fachkräftebereich wirft vergleichsweise hohe Margen ab. Die Schweizer, die lange als margenschwach galten, dürften damit ihre Ertragskraft stärken. An der Schweizer Börse legte der Kurs der Adecco-Aktie bis zum Nachmittag um gut zwei Prozent zu.

Laut dem am Montag unterzeichneten Vertrag übernimmt Adecco zunächst 97 Prozent an Tuja. Die restlichen drei Prozent gehen Ende des Jahres an Adecco. Der Kaufpreis teilt sich auf in 600 Millionen Euro für das Unternehmen und 200 Millionen Euro für die Übernahme der Schulden der Tuja-Gruppe, die seit 1992 vor allem in Deutschland aber auch in Österreich und der Schweiz aktiv ist. Der Kaufpreis wird zum größten Teil mit Bargeld aus der Adecco-Kasse bezahlt.

Wegen der guten Konjunktur verbunden mit einer gewissen Zurückhaltung der Arbeitgeber bei Festeinstellungen neuer Mitarbeiter zählt der deutsche Zeitarbeitsmarkt nach Einschätzung von Adecco weltweit zu den attraktivsten. Adecco-Chef Scheiff schätzt, dass sich der Anteil der Zeitarbeiter an den Gesamtbeschäftigten in Deutschland bis zum Jahr 2009 auf zwei Prozent verdoppeln wird. Adecco, das zum Imperium des deutschen Industriellen Klaus Jacobs gehört und mit Jürgen Dohrmann einen weiteren prominenten deutschen Manager an der Spitze seines Verwaltungsrates hat, verdient bisher den Großteil seines Geldes in Frankreich. Seitdem sich Jacobs allerdings vor drei Jahren vom damaligen französischen Miteigentümer getrennt hat, wendet sich Adecco mehr und mehr dem deutschen Markt zu. Die Übernahme von DIS war der erste Schritt. Konzernchef Scheiff stammt aus dem DIS-Management. Auch das Management der Tuja-Gruppe soll mindestens die nächsten drei Jahre an Bord bleiben.

Seitdem Adecco sich auf Deutschland konzentriert, liefert dieser Markt ständig steigende Gewinnbeiträge: Im letzten Quartal war der Gewinn in Deutschland von neun auf 28 Millionen Euro gestiegen. Tuja stand 2006 mit einem Umsatz von 321 Millionen Euro auf Rang sechs in Deutschland. Dann kaufte Barclays Private Equity Tuja von der Berliner Beteiligungsgesellschaft Odewald und Compagnie und baute das Unternehmen aus. In diesem Jahr soll der Umsatz nach sechs Zukäufen im In- und Ausland 650 Millionen Euro erreichen und einen Gewinn vor Steuern von 63 Millionen Euro erreichen. Tuja beschäftigt in Deutschland, der Schweiz und Österreich etwa 630 Mitarbeiter in 127 Niederlassungen.

Analysten reagierten positiv. Laut der St. Galler Privatbank Wegelin richtet sich Adecco damit weiter auf den deutschen Markt aus, was unter der Führung des vorwiegend deutschen Verwaltungsrats und Managments selbstverständlich sei. Adecco sei erfolgreich, seit es seine Strategie noch unter der Führung von Jacobs in Richtung Acquisitionen und mehr Facharbeitervermittlung geändert habe, heißt es von der Basler Bank Sarasin. Die Adecco-Aktie stieg an der Börse in Zürich zeitweise um mehr als zwei Prozent. HB

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