Wirtschaft : Zeitarbeiter arbeiten auf der Expo nach Tarif

HANNOVER (AFP). Nach mehr als einjährigen Verhandlungen haben sich die IG Metall und die Zeitarbeitsfirma Adecco auf einen Tarifvertrag für die rund 7000 Zeitarbeiter der Weltausstellung in Hannover geeinigt. Wie beide Seiten am Montag in Hannover mitteilten, wurden Mindestlöhne zwischen 13,50 und 25 DM pro Stunde festgelegt. Die IG Metall hatte ursprünglich 15 bis 25 DM gefordert. Der Tarifvertrag ist überhaupt einer der ersten, der in der Zeitarbeitsbranche abgeschlossen wurde. Hartmut Meine, Leiter des IG Metall-Bezirks Hannover, und Jürgen Uhlemann, Geschäftsführer der Adecco Personaldienstleistungs-GmbH, bezeichneten die Vereinbarung als akzeptablen Kompromiß. Die Gewerkschaft sah den Tarifvertrag zudem als "Experimentierfeld" für einen künftigen Flächentarifvertrag in der Zeitarbeitsbranche.

Für die fünf Monate dauernde Weltausstellung sollen Arbeitslose und Langzeitarbeitslose bevorzugt eingestellt werden, sagten beide Seiten. Grundsätzlich sollen nur sozialversicherungspflichtige Vollzeitarbeitsverhältnisse abgeschlossen werden; Ausnahmen werde es nur für Studenten und Schüler geben, sagte Meine. Die Stundenlöhne sind in sieben Stufen gestaffelt. Der überwiegende Teil der Beschäftigten wird Adecco zufolge voraussichtlich 15 bis 18 Mark erhalten. Der Urlaub beträgt auf ein ganzes Jahr bezogen 30 Arbeitstage. Die Arbeitszeit für die Adecco-Mitarbeiter auf der Expo beträgt laut Tarifvertrag 35 Stunden. Adecco stellt als Produktpartner der Expo die Zeitarbeiter exklusiv für die Ausrichterin der Weltausstellung zur Verfügung.

Meine sagte, für die IG Metall sei der Tarifvertrag eine "Kurskorrektur", denn lange Zeit hätte seine Gewerkschaft Leiharbeit grundsätzlich abgelehnt. Er erwartet für den Gewerkschaftstag im Oktober einen entsprechenden Änderungsantrag für die IG-Metall-Statuten. Uhlemann bezeichnete den Abschluß als einen "Meilenstein für die Zeitarbeits-Branche". Allerdings dürften Flexibilität und Mobilität der Mitarbeiter als "Herzstück der Zeitarbeit" nicht durch einen Flächentarifvertrag beeinträchtigt werden. 1998 waren Uhlemann zufolge 400 000 bis 450 000 Menschen bei deutschen Zeitarbeitsfirmen beschäftigt. Die Branche habe einen Umsatz von 11,5 Mrd. DM gemacht.

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