Wirtschaft : „Zeitarbeiter sollten relativ viel verdienen“

Frau Franken, verdrängt die Zeitarbeit feste Jobs aus den Unternehmen?

Zeitarbeit verdrängt keine festen Jobs, sondern erhöht die Flexibilität und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Gewerkschaften werfen Ihnen vor, dabei die Löhne zu drücken.

Eigentlich sollten Zeitarbeitskräfte relativ viel verdienen. Wir haben Tarifverträge und von unserer Seite können da gerne noch ganz andere Löhne stehen. Aber sie müssen natürlich auch auf dem Markt erzielbar sein. Das ist besonders bei Geringqualifizierten eine schwierige Aufgabe. Da bildet der Zeitarbeitstarifvertrag die unterste Grenze. Bei den Höherqualifizierten müssen wir in der Regel schon höhere Löhne zahlen, weil der Markt den Preis regelt.

Ärgern Sie sich über schwarze Schafe, die Löhne unterhalb des Tarifniveaus zahlen?

Ja. Aber Randstad unternimmt viel, um das Image der Branche zu verbessern. Für die Zukunft ist es wichtig, eine Balance hinzukriegen zwischen dem Bedürfnis der Unternehmen nach Flexibilität und dem Sicherheitsbedürfnis der Arbeitnehmer. Wir können nicht nur vom Arbeitnehmer verlangen, dass er sich gesund hält und qualifiziert. Die Unternehmen müssen auch die Bedingungen bereitstellen, die der Arbeitnehmer braucht und ihm zum Beispiel Qualifizierung ermöglichen.

Heide Franken

ist Geschäftsführerin der Zeitarbeitsfirma Randstad, die mit 44 000 Mitarbeitern zu den beiden größten in Deutschland gehört. Mit ihr sprach Stefan Kaiser.

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