Wirtschaft : Zeitarbeitsfirmen spüren steigende Nachfrage

Die Branche erwartet, dass die Zahl der Arbeitslosen bald sinkt – Sorge vor Niedriglohnkonkurrenz

Carsten Brönstrup

Berlin - Immer mehr Beschäftigte werden in Zukunft als Zeitarbeiter beschäftigt sein. Die Zahl der Arbeitnehmer in diesem Bereich werde sich bis 2016 auf 900 000 verdoppeln, sagte Volker Homburg, Vorsitzender des Interessenverbands deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ), dem Tagesspiegel. „Wir haben bereits in den vergangenen fünf Jahren ein rasantes Wachstum um 100 000 Arbeitnehmer erlebt, jetzt arbeiten bei unseren Unternehmen 450 000 Menschen“, sagte er. Angesichts der Veränderungen in der Arbeitswelt werde sich dieser Trend weiter verstärken.

Zeitarbeiter werden in der Regel befristet in einer Firma eingesetzt, um Auftragsspitzen abfedern zu können und damit flexibel zu sein. Je nach Region und Tätigkeit liegt der Lohn für einen Zeitarbeiter um zehn bis 15 Prozent unter dem einer fest angestellten Fachkraft. Die Branche spürt als Erste, wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Zuge einer Konjunkturbelebung bessert. Das sei auch derzeit der Fall. „Normalerweise muss man die Aufträge akquirieren“, sagte Homburg. „Derzeit ist das nicht mehr nötig, sie kommen von alleine.“ Das deute darauf hin, dass die Zahl der Arbeitslosen bald sinken werde.

Allerdings sorgt sich die Branche wegen der harten Konkurrenz im Niedriglohnbereich, auch aus dem Ausland, um ihr Ansehen. „Ein Stundenlohn von fünf Euro und weniger, wie er teilweise gezahlt wird, ist eine gefährliche Entwicklung, das schadet unserem Ruf.“ Deshalb verlangt die Zeitarbeitsbranche von der Bundesregierung einen Mindestlohn, um gegen billigere ausländische Konkurrenten geschützt zu sein. Das Niveau solle etwa bei sieben Euro im Westen und 6,10 Euro im Osten liegen, sagte Homburg. „Sonst können wir uns gegen Wettbewerber aus Osteuropa mit Stundenlöhnen von fünf Euro nicht behaupten.“ Der Mindestlohn könne dafür sorgen, dass die Zeitarbeit von Firmen und Beschäftigten als qualitativ hochwertige Branche wahrgenommen werde.

Für einen Mindestlohn in der Zeitarbeits-Branche soll die Regierung nach Vorstellungen des IGZ das Arbeitnehmer-Entsendegesetz ändern. Es schreibt vor, dass alle Arbeitnehmer auf dem Bau, auch ausländische, zu den hier üblichen Löhnen bezahlt werden müssen. Die Regierung plant, das Gesetz auch auf die Gebäudereiniger auszuweiten und es noch vor der Sommerpause vorzulegen. Sollte auch die Zeitarbeitsbranche noch aufgenommen werden, könnte Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) den Mindestlohn-Tarifvertrag für Zeitarbeiter, der gerade verhandelt wird, für allgemein verbindlich erklären. Dann würde der Gesetzgeber den Zoll als zuständige Behörde darüber wachen lassen, dass diese Lohngrenze auch eingehalten wird.

Der IGZ, das vor allem Mittelständler vertritt, streitet zusammen mit dem Bundesverband Zeitarbeit, in dem große Firmen wie Randstad oder Adecco organisiert sind, für den Mindestlohn. Er solle in Kraft bleiben, solange der Anpassungsprozess in der EU andauere, sagte Homburg. Der IGZ peilt zunächst eine Dauer von zwei bis drei Jahren an – „dann könnte man sehen, wie sich der Markt entwickelt hat und ob man die Untergrenze dann überhaupt noch braucht“. Der Mindestlohn würde etwa gelten für einfache Tätigkeiten wie Lagerarbeiter oder Produktionshelfer, die ohne Anlernzeit im Betrieb eingesetzt werden können. Einen einheitlichen Mindestlohn für alle Branchen lehnte der IGZ dagegen ab. „Das würde die Tarifpartner entmachten.“

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