Wirtschaft : Zeitarbeitsfirmen suchen wieder Fachkräfte Der Arbeitsmarkt kommt aber nur langsam in Fahrt

Alexander Visser

Berlin - Die anziehende Konjunktur sorgt bei Zeitarbeitsfirmen für verstärkte Nachfrage nach gut ausgebildetem Fachpersonal. Experten werten das als Zeichen für eine generelle Belebung des Arbeitsmarktes. Noch Anfang des Jahres hatten Firmen bei den Personaldienstleistern vor allem gering qualifizierte Mitarbeiter nachgefragt. Jetzt hat die Düsseldorfer DIS AG, die einen besonders hohen Anteil hoch qualifizierter Zeitarbeiter beschäftigt, einen starken Umsatz- und Beschäftigten-Anstieg registriert.

Die Bundesagentur für Arbeit legt am heutigen Mittwoch die Arbeitsmarktzahlen für Juli vor. Experten rechnen nicht mit einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Doch eine steigende Nachfrage bei Zeitarbeitsfirmen macht sich in der Regel später auch bei anderen Firmen bemerkbar. Der Umsatz der DIS AG stieg im zweiten Quartal 2004 um knapp 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 63 Millionen Euro. Die Zahl der Projektmitarbeiter legte um 14,7 Prozent auf 5776 zu. „Vor allem die Nachfrage nach Ingenieuren, Computerspezialisten und Finanzmanagern ist deutlich gestiegen“, sagte eine Sprecherin dem Tagesspiegel. Da sich das erste Halbjahr besser als erwartet entwickelt hat, erhöhte die DIS ihre Geschäftsziele. Sie rechnet für 2004 nun mit einem Umsatz von 255 Millionen Euro und einem Rekordergebnis von 22,5 Millionen Euro. Die DIS AG ist die fünftgrößte Zeitarbeitsfirma in Deutschland.

Auch die Konkurrenz spürt eine Trendwende: „Im Frühjahr wurden noch vor allem Hilfsarbeiter gesucht“, sagte eine Sprecherin von Marktführer Randstad. „Jetzt wird kaufmännisches Personal nachgefragt.“ Damit zeichnet sich ein typisches Muster der Erholung am Arbeitsmarkt ab. „Zuerst lassen die Unternehmen mehr Überstunden arbeiten, dann werden gering qualifizierte Zeitarbeiter gesucht“, erklärte Arbeitsmarkt-Experte Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. „Dann werden hoch qualifizierte Zeitarbeiter herangezogen und erst danach unbefristet Mitarbeiter eingestellt.“ Die verstärkte Nachfrage bei den Zeitarbeitsfirmen ist ein Anzeichen dafür, dass die erwartete Entlastung auf dem Arbeitsmarkt noch im Jahr 2004 einsetzen könnte – vorausgesetzt, die derzeitige Konjunkturerholung hält an.

Umstritten ist, ab wann die Arbeitslosenzahlen sinken werden. Die Sommerferien sorgen in Firmen traditionell für eine Flaute bei den Neueinstellungen. Bereinigt von diesem jahreszeitlichen Effekt rechnet Arbeitsmarktexperte Daniel Kittler von der Deka-Bank aber schon im Juli mit einem leichten Rückgang der Arbeitslosenzahlen: „Ab August wird es dann Monat für Monat besser.“

Zieht der Arbeitsmarkt ernsthaft an, werden davon aber zunächst jene Fachkräfte profitieren, die schon einen Job haben. „Schon jetzt können wir nicht alle Stellen beim Fachpersonal besetzen“, sagte DIS-Sprecherin Sylvia Knecht. „Wir suchen allein 185 hoch qualifizierte Ingenieure.“ Zwar gebe es viele arbeitslose Ingenieure, aber denen fehle oft die Qualifikation, die die Unternehmen suchten. „Statt die Bewerber für den Job fit zu machen, werben Firmen dann eher Fachleute anderer Firmen ab“, sagte Arbeitsmarktexperte Kittler. Das könnte eine wachsende Arbeitsplatz-Fluktuation zur Folge haben, von der die Beschäftigten durch Gehaltsaufschläge profitieren.

Die Personaldienstleister sehen jedenfalls gute Zeiten kommen. Sie profitieren dabei nicht nur von der anziehenden Konjunktur. Auch die Beseitigung gesetzlicher Hemmnisse für Zeitarbeitsfirmen zu Beginn des Jahres belebte die Branche. So wurde die Beschränkung der Entleihdauer auf zwei Jahre aufgehoben. Das verstärkt den Trend zu lukrativen Großaufträgen, bei denen Firmen ganze Abteilungen an Personaldienstleister ausgliedern. So will der Chiphersteller Infineon 700 bis 800 Fachkräfte des Dresdner Werkes an Personaldienstleister übertragen, um sie als Zeitarbeiter wieder einzustellen. Wichtigster Auftragnehmer ist die DIS AG.

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