Wirtschaft : Zeitungsverlage machen der Post Konkurrenz

Gemeinschaftsunternehmen wird bundesweit Briefe zustellen und eigene Briefmarken im Internet verkaufen

Ulrike Simon

Berlin - Die Verlage Axel Springer, Georg von Holtzbrinck und WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) gründen mit der Luxemburger Beteiligungsgesellschaft Rosalia ein gemeinsames Unternehmen. Ziel ist, die vorhandene logistische Struktur mit Zeitungszustellern auch für die bundesweite Auslieferung von Briefpost zu nutzen. Damit wollen die Verlage der Deutschen Post nach dem Wegfall des Briefmonopols Ende 2007 flächendeckend Konkurrenz machen. Jeder der vier Partner hält je 25 Prozent. Sitz der Zentrale wird Berlin sein, Verwaltungssitz ist Luxemburg.

In dem neuen Unternehmen bündeln die Großverlage ihre bestehenden regionalen Aktivitäten auf dem Markt für Postleistungen. Dazu gehören die 2002 von der WAZ gegründete Westdeutsche Post Service (WPS), der Thüringer ThPS, die Hamburger Springer-Zustelltochterfirma Punkt Direkt Vertrieb (PDV) sowie die Berliner Pin AG. Ende 2004 hatten die Verlagsgruppe Holtzbrinck, zu der auch der Tagesspiegel gehört, und Springer die Pin AG mehrheitlich übernommen. Sie ist mittlerweile die Nummer zwei nach der Deutschen Post. Doch der Abstand zwischen dem Angreifer und dem Ex-Monopolisten ist riesig: Während die Pin AG 2005 einen Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro anpeilt (nach 35,5 Millionen Euro im Vorjahr) und mit aktuell 1400 Beschäftigten gewinnbringend täglich 600 000 Sendungen von Großkunden zustellt, fertigt die Post 70 Millionen Briefe ab und setzt mit 127 000 Mitarbeitern rund elf Milliarden Euro um. Nachteil der einzelnen Verlagstöchter war die regionale Begrenzung der Aktivitäten. Unter dem Dach des neuen Unternehmens, das Anfang 2006 seine Geschäfte aufnimmt, soll sich dies ändern. „Bis Ende 2006 wollen wir flächendeckend bundesweit zustellen“, sagte Günter Thiel. Der ehemalige Vorstandschef der Thiel Logistik AG wird den Aufbau und die Führung der neuen Gesellschaft übernehmen. Er hält zugleich Anteile an der Rosalia AG, die sich als „verlagsneutrales Unternehmen“ um das Management kümmern will. Der Plan ist, bis 2011 einen Gesamtumsatz von einer Milliarde Euro zu erwirtschaften.

Das Vorhaben steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch das Kartellamt. Der Antrag sei noch nicht eingegangen, sagte eine Sprecherin. Die Verlage hoffen angesichts der übermächtigen Stellung der Deutschen Post auf eine schnelle Freigabe.

Die vier Partner sehen den Aufbau eines alternativen Postzustelldienstes als ein Zusatzgeschäft, das „vergleichsweise wenig Investitionen erfordert, die bestehenden Strukturen besser auslastet und insgesamt hohe Wachstumsraten verspricht“, sagte Marc Zeimetz von Holtzbrinck. Zunächst wolle man sich auf Geschäftskunden mit großen Briefvolumina konzentrieren – wie Behörden, Versicherungen, Sparkassen oder Energieversorger.

Haushalte in bevölkerungsarmen Gebieten würden künftig zwischen vier und sechs Uhr morgens die Post mit der Zeitung bekommen. Das ist der Zeitraum, in dem die Tageszeitungen zugestellt werden müssen. In bevölkerungsdichten Gegenden wie dem Ruhrgebiet oder Berlin wird das Gemeinschaftsunternehmen Post- und Zeitungszustellung getrennt organisieren. Hier lohne sich der Aufbau eines eigenständigen Zustelldienstes, so Zeimetz. Zudem werden eigene Briefkästen aufgestellt und Briefmarken im Internet erhältlich sein.

Nach Angaben von Thiel werden in der Berliner Zentrale zunächst 20 bis 30 der 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Mitarbeiterzahl werde zügig wachsen. Name, Sitz und auch der einheitliche Auftritt der Unternehmensgruppe stehen noch nicht fest.

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