Wirtschaft : Zentralbank signalisiert Entwarnung

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Frankfurt am Main – Die Europäische Zentralbank (EZB) reduziert überraschend das Tempo bei der Verschärfung ihrer Geldpolitik. Der EZB-Rat ließ den Leitzins am Donnerstag nicht nur unverändert, EZB-Präsident Jean-Claude Trichet stellte auch klar, dass vor Juni nicht mit einer weiteren Anhebung zu rechnen ist. Die Kapitalmärkte hatten bislang die nächste Erhöhung für Anfang Mai erwartet. „Die Stimmung in den Märkten deckt sich nicht mit der momentanen Stimmung im EZB-Rat“, sagte Trichet am Donnerstag nach der Sitzung. Zuletzt hatten die Währungshüter den wichtigsten Leitzins im Euro-Raum am 2. März um 0,25 Punkte auf 2,50 Prozent erhöht.

Der EZB-Präsident sagte zwar, dass es nach wie vor die Option Mai und Juni für eine Verschärfung der Geldpolitik gebe. Andererseits verwies er klar und deutlich auf das nächste auswärtige Treffen des EZB-Rates, das am 8. Juni in Madrid stattfindet. „Es gibt keine Regel, dass wir die Zinsen nicht erhöhen können, wenn wir außerhalb von Frankfurt tagen.“ Bislang hatte die EZB in ihrer gut siebenjährigen Geschichte die Zinsen immer nur dann erhöht oder gesenkt, wenn der Rat in der Frankfurter Zentrale getagt hat.

Offenbar hat der Rat am Donnerstag nicht einmal über eine Zinserhöhung diskutiert. Auffällig ist auch, dass der Begriff „Wachsamkeit“ im Kommuniqué der Sitzung nicht auftaucht. Trichet betonte allerdings mehrfach, dass die EZB die Entwicklung weiter „sehr genau“ beobachte, damit Preisrisiken erst gar nicht entstehen.

Im März lag die Inflationsrate im Euroraum bei 2,2 Prozent nach 2,3 Prozent im Februar. Insgesamt rechnet Trichet für 2006 und 2007 nicht mit einem Sinken auf 2,0 Prozent oder weniger. Bei dieser Marke sieht die Notenbank die Preisstabilität gewahrt. Risiken gebe es weiter durch möglicherweise steigende Ölpreise, durch höhere staatliche Gebühren und Steuern und durch das starke Wachstum von Geldmenge und Krediten, sagte Trichet. ro

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