Wirtschaft : Zentralbank will Zinsen im Juni erhöhen

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Paris/Luxemburg - Der scheidende Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, hat die Erwartung einer Zinserhöhung im Juni geschürt. Die Prognose der Finanzmärkte für einen solchen Schritt stehe „im Einklang mit unserer Einschätzung“, sagte Issing der „International Herald Tribune“.

Zunächst hatten die Marktteilnehmer bereits für Mai eine Zinserhöhung um 0,25 Punkte auf 2,75 Prozent erwartet. Die Prognose für den Zeitpunkt war dann aber nach entsprechenden Andeutungen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet um einen Monat verschoben worden. Zuvor hatte die EZB bereits zweimal die Zinsen leicht angehoben.

Issing deutete zudem höhere Inflationsprognosen an. „Wenn wir unsere Projektionen jetzt durchführen müssten, würden die Annahmen für die Ölpreise höher ausfallen als im März“, sagte Issing. Die EZB habe die Inflation in der Vergangenheit unterschätzt, da sie bis zum vergangenen Jahr die lang anhaltende Verteuerung von Energie zu wenig berücksichtigt habe. Issing warnte insbesondere die deutschen Gewerkschaften vor zu hohen Lohnabschlüssen. Wenn sich in der Folge entsprechende Preisschübe einstellen würden, werde die EZB „entschieden handeln“, sagte Issing.

Die EZB-Experten hatten im März eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,2 Prozent für 2006 und 2007 vorausgesagt. Die Zentralbank sieht Preisstabilität in den zwölf Euro-Ländern bis zu einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Für den Monat März schwächte sich derweil der Preisauftrieb in der Euro-Zone leicht ab – die jährliche Inflationsrate sank im Vergleich zum Februar um 0,1 Punkte auf 2,2 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte. Deutschland verzeichnete eine Teuerung von 1,9 Prozent – nach 2,1 Prozent noch im Februar. dpa

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